
In Deutschland kennt es fast jedes Kind: das Sandmännchen mit dem spitzen Bart, der Zipfelmütze und seinem Sack voller Traumsand. Seit 1959 sendet es den Kindern Gute-Nacht-Wünsche – und ist damit eine der bekanntesten deutschen Fernsehserien.
Zwei geteilte Geschichten, die zusammenfanden
Es gibt kaum eine Figur, deren Lebenslauf so eng mit der deutschen Teilung verwoben ist wie der des Sandmännchens. In Zeiten des geteilten Deutschlands existierten zwei Sandmänner – einer im Osten, einer im Westen. Erst nach der Wiedervereinigung wurde wieder ein gemeinsamer Sandmann produziert, heute im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg.
Auch der Mauerpark trägt die Teilung in seinem Namen. Wo heute Familien picknicken, Jugendliche sich treffen, Musiker*innen aufspielen, Karaoke-Sternchen ihr Publikum begeistern und Flohmarktbesucher nach Schätzen stöbern, verlief einst der Todesstreifen. Beide – Sandmann und Mauerpark – sind aus der Trennung hervorgegangen und zu Sinnbildern dafür geworden, dass aus Geteiltem etwas Gemeinsames werden kann.
Mit Blaulicht in den Park
In der neuen Folge kommt das Sandmännchen mit der Feuerwehr in den Mauerpark gefahren und rettet eine Katze. Anschließend nimmt sich das Sandmännchen die alte Mauer vor und malt darauf. Wer den Mauerpark kennt, weiß: An kaum einem anderen Ort in Berlin gehört das Bemalen einer Mauer so selbstverständlich zum Wesen des Ortes. Die ehemalige Hinterlandmauer ist heute legale Graffitiwand und Open-Air-Galerie – ein Stein gewordenes Stück Geschichte, das sich täglich neu erfindet.
Dass ausgerechnet der Sandmann hier zum Pinsel greift, zeigt die poetische Ebene der Sandmann-Folge: Eine Figur, die selbst die Mauer überdauert hat, hinterlässt ihre Spur an einer Mauer, die längst keine Grenze mehr ist, sondern eine kreative Leinwand für die Zukunft.
Sandmann, lieber Sandmann, es ist noch nicht so weit, Du hast gewiss noch Zeit!
