Pflasterstrasse

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Fazit der Bürgervereine

Freunde des Mauerparks e.V. und Bürgerverein Gleimviertel e.V.
zur Problematik der Fahrradstreifenplanung im Mauerpark.

Umsetzung des BVV-Beschlusses

Am 27.04.05 wurde von der BVV Pankow folgendes beschlossen:
„Das Bezirksamt wird ersucht ein verändertes Konzept für die Gestaltung des Pflasterweges im Mauerpark vorzulegen. Das Konzept sollte folgende Prämissen berücksichtigen:
Keine Bevorrechtigung des Radverkehrs vor anderen Nutzern des Parks, der Mauerpark bleibt eine Grünanlage mit Parkwegen. Der gepflasterte Parkweg (alte Schwedter Str.) bleibt im gesamten Mauerpark unverändert erhalten.
[..] Die Bürgerinitiative Freunde des Mauerparks und der Bürgerverein `Gleimviertel` sind zur Notwendigkeit dieses Radweges zu befragen. Das Ergebnis der Befragung ist bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen.
[…] das Vorrecht der Fußgänger/innen soll im gesamten Bereich des Parks auch baulich gesichert werden.“

Als Kernaussagen des Beschlusses sehen wir an:
1. Es soll ein Konzept für die Gestaltung des Pflasterweges im Mauerpark vorgelegt werden, es wird aber nicht verlangt, dass das Konzept einen Fahrradweg oder Vergleichbares enthalten muss.
2. Der gepflasterte Parkweg soll im gesamten Mauerpark unverändert erhalten bleiben, das Vorrecht der FußgängerInnen soll im gesamten Bereich des Parks auch baulich gesichert werden.

Gespräche mit der Verwaltung

Am 8. Juni 2005 haben sich Vertreter der Senatsverwaltung und des Bezirksamtes Pankow mit Vertretern des Freundeskreises Mauerpark und des Bürgervereins Gleimviertel getroffen (Teilnehmer siehe Anhang).

Die Verwaltungen stellten erneut die bisherigen Planungen bezüglich der weitgehenden Asphaltierung des gepflasterten Parkweges (ehemalige Schwedter Str.) zugunsten einer schnellen Querbarkeit des Mauerparkes mit dem Fahrrad vor und legten die Vorteile dar, die aus ihrer Sicht mit dieser Lösung verbunden sind. Sie halten es für eine Verbesserung für alle Parknutzer, wenn durch einen Asphaltstreifen auf dem Parkweg in Seitenlage eine Trennung des Radfahrverkehrs von den übrigen Nutzungen des Weges herbeigeführt würde. Für die Fußgänger halten sie den restlichen Teil des Pflasterweges und den angrenzenden Kiesweg für ausreichend. Durch Unterbrechungen des Asphaltstreifens an den wichtigsten Querungsstellen des Parkweges solle den Gefahren begegnet werden, die sich aus dem Queren des schnell befahrenen Streifens beispielsweise durch unaufmerksame Kinder ergeben könnten.

Der Freundeskreis Mauerpark und der Bürgerverein Gleimviertel stellten mehrere Alternativvorschläge zur Diskussion, darunter eine breite, asphaltierte Radtrasse im künftigen Erweiterungsgebiet des Mauerparkes, die auch über den Gleimtunnel zum Schwedter Steg führen kann, als langfristig zu realisierenden Lösung und die Anlage eines völlig vom Pflasterweg gesonderten, asphaltierten Streifens entlang des jetzigen westlichen Randes des Parkes (mit Beginn an der Bernauer Straße, Abbiegen am Regenbogenspielplatz, Einbiegen auf den Pflasterweg in Richtung Gleimstraße bzw. alternativ geradeaus zur Max-Schmeling-Halle, Am Falkplatz, Gleimstr. und Schönfließer Steg) als zeitnahe Variante.

All diese Vorschläge wurden von den Verwaltungsvertretern mit der Begründung abgelehnt, daß die vorhandenen Mittel für das Projekt Fernradwanderweg und Mauerradweg für den Bereich Mauerpark an die Verwendung auf der Trasse des Pflasterweges (ehem. Schwedter Str.) gebunden seien und eine Mindestbreite des Fahrstreifens von 2 m verlangten. Für die Anlage eines gesonderten Radweges im westlichen Parkbereich stünden keine Mittel zur Verfügung.
Die Funktionalität, bauliche Möglichkeit und Finanzierbarkeit der vorgeschlagenen Alternativen wurde von den Verwaltungen nicht geprüft.

Fazit

Nach einem längeren Prozeß der Auseinandersetzung zur Problematik und mehreren Treffen konnte auch bei dem genannten Gespräch im Juni kein Konsens zwischen den Verwaltungen einerseits und dem Freundeskreis Mauerpark und dem Bürgerverein Gleimviertel andererseits gefunden werden. Die Verwaltungen bestehen auf ihren bisherigen Planungen der weitgehenden Asphaltierung des gepflasterten Parkweges. Dies widerspricht dem BVV-Beschluss und den wesentlichen Belangen der Parkverträglichkeit.

Für den aus dem Freundeskreis hervorgegangenen Verein Freunde des Mauerparks und den Bürgerverein Gleimviertel gibt es daher folgendes Resumé.
Der einzigartige, nachhaltige Wert des überdurchschnittlich ebenen, gut erhaltenen, geschichtlich und gestalterisch wertvollen Reihenpflaster-Belages der ehemaligen Schwedter Str. als Hauptbestandteil der Parkanlage steht für die Bürgerinitiativen in der Abwägung höher als die Komfortverbesserung für den anteilmäßig sehr viel kleineren Teil der schnellen radfahrenden Parkbenutzer auf einer Strecke von 600 Metern.

Die Einlassung eines breiten Asphaltstreifens in den Pflasterweg würde nicht zu einer praktikablen Trennung von Fußgängern und Radfahrern führen, sondern zu einer komplexen Disfunktionalisierung der Einheit von Pflasterweg und angrenzendem Kiesweg. Schnelle Radfahrer würden die scheinbar eigene Trasse in verdrängender Weise benutzen bzw. dies versuchen. Die oft große Zahl von Fußgängern hätte schnelle Radfahrer zu beachten und müßte auf den übrigen Pflasterweg und den Kiesweg ausweichen, was besonders an den verengten Abschnitten des Pflasterweges (Arena und Baumhain) zu Konflikten führen muß. Weichen sie nicht aus, da auch der Asphaltstreifen zum insgesamt benutzbaren Parkweg gehörte, müssen Radfahrer ebenso langsam und aufmerksam fahren wie bislang. Rollstuhlfahrer, radfahrende Kinder und andere langsame Radler sowie Skater würden den Streifen benutzen, was ebenfalls zu Bedrängungssituationen durch schnelle Radler führen bzw. seine gedachte Funktion als Schnellfahrstrecke in vielen Fällen aufheben würde. Hinzu kommen mehrere Querungsstellen des Pflasterweges, an denen bei einem durchgehenden Asphaltfahrstreifen nicht reguliert werden kann bzw. die den Streifen rudimentär und zweckarm werden ließen, falls der Asphaltbelag an ihnen unterbrochen würde.

In ästhetischer Hinsicht wäre ein Asphaltstreifen im Pflasterweg völlig unvermittelt und daher von brutalem Charakter. Da der Parkgestalter Prof. Lange in seine Anlage nicht einwilligt, würden seine Urheberrechte durch sie verletzt.

Bei dem Pflasterweg der ehemaligen Schwedter Str. handelt es sich um ein authentisches Bauwerk, das im Zusammenhang mit der erhaltenen und in den Park integrierten Topographie des ehemaligen Mauerstreifens für die Anschauung der Teilung der Stadt bedeutsam ist und daher eine beachtliche stadtgeschichtliche Bedeutung hat. Ein Asphaltstreifen würde diese Authetizität zerstören und die Wirkung des Ortes „M a u e r park“ als lebendige Überwindung der Teilung schwer und nachhaltig beeinträchtigen.

Das Fahrradfahren auf dem Pflasterweg im Mauerpark soll weiterhin wie bisher mit Rücksicht auf den Vorrang der Fußgänger in gemäßigtem Tempo möglich sein. Der Pflasterbelag stellt für Räder kein Fahrhindernis dar und soll im Bereich zwischen Bernauer Straße und Falkplatz unverändert bleiben. Lediglich einige zerstörte Steine und Schlaglöcher müssen ausgebessert werden.

Parknutzern, die auf glatte Beläge angewiesen sind (z.B. Rollstuhlfahrer, Fahrradanfänger, radfahrende Mütter mit Kindersitzen) steht ohne Einschränkung der an den Pflasterweg grenzende Weg mit wassergebundener Deckschicht zur Verfügung, der durch Reparatur an einigen Stellen aufgewertet werden muß. Hinweise und besondere Maßnahmen sollen dazu führen, daß das Radfahren auf diesem Weg nur für die genannten Nutzergruppen erlaubt bzw. unterstützt wird. Schnelle Radfahrer sollen dagegen von diesem Weg ferngehalten werden.

Für die anwohnenden Radfahrer im Gebiet mit schnellem Querungsinteresse besteht keine zwingende Notwendigkeit, durch den Mauerpark zu fahren. Für zügige Fahrten nutzen sie auch die Passage durch den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, den Radweg auf der Schönhauser Allee und die autofreie Swinemünder Str. (Die sekundär beabsichtigte Führung von Radfahrern aus der nördlichen Schönhauser Allee über die Gleimstr. und einen Asphaltstreifen im Mauerpark zum Alexanderplatz/ östlichen Zentrum ist routenwidrig, zumal gerade der Radweg in der südlichen Schönhauser Allee fertiggestellt wurde.) Die ortskundigen Radfahrer, die den Mauerpark in großer Zahl queren, fahren freiwillig durch den Park und nehmen an dem Pflasterbelag offensichtlich keinen Anstoß.

Deshalb sehen wir den relativ planen Pflasterweg im Mauerpark auch für den zahlenmäßig kleinen Anteil an touristischen Fernradfahrern als zumutbar an. Auch in historischen Ortskernen auf dem Fernradweg Berlin-Usedom bzw. an Stellen, die eine Geschwindigkeitsbeschränkung für die Radler notwendig machen – wie dies auf dem Mauerparkweg durchgängig nötig ist – sind Pflaster- und unglatte Beläge anzutreffen. Der Mauerpark ist auch ein historischer Erinnerungsort und soll als solcher für die Radwanderer wahrnehmbar sein. Radwanderer interessieren sich in aller Regel für die Umgebung ihrer Route und suchen geschichtlich authentische Orte auf. Da das Interesse an der Geschichte der Mauer ungebrochen und stetig wachsend ist, würden besonders nichtberliner und ausländische Fernradwanderer angesichts des vollzogenen Eingriffs kein Verständnis dafür aufbringen, daß ihnen zugunsten einer marginalen Bequemlichkeit die Authentizität des Weges und die historische Anschauung verwehrt wurde.

Mit den Vorschlägen für alternative, asphaltierte Radrouten durch den Mauerpark tragen die beiden Vereine dennoch den Interessen der schnellen Radfahrer Rechnung. Es wäre daher sehr bedauerlich, wenn die für das Asphaltierungsvorhaben zur Verfügung stehenden Mittel nicht zugunsten der Realisierung einer Alternativroute im Mauerpark oder zugunsten der Verbesserung anderer stark frequentierter Alltagsfahrradrouten im Bezirk Pankow umgewidmet werden könnten. Die Park- und Nutzerverträglichkeit von Radwegeplanungen sollte zukünftig sorgfältiger geprüft und vor allem mit den bezirklichen Vertretungsgremien und den Nutzern der Grünanlagen beraten werden, bevor Mittel für die Realisierung eingeworben, bereitgestellt und auf die geplanten Trassen fixiert werden. Eine schon im Projektansatz liegende Flexibilisierung der Einsatz­möglichkeiten von Mitteln zugunsten jeweils prioritärer Problemlösungen erscheint uns ebenso wichtig.

Freunde des Mauerparks e.V.
Bürgerverein Gleimviertel e.V.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch

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von Mauerpark Redaktion

4 Kommentare to “Pflasterstrasse”


  1. Liebe Leute,
    ich finde das ziemlich schade von Euch und auch enttäuschend. Ausserdem ist es widersprüchlich, was Ihr schreibt. Einerseits stellt Ihr fest, dass viele Radfahrer (trotz übelster Holperstrecke) durch den Mauerpark fahren, andererseits haltet Ihr es für „routenwidrig“, wenn der überregionale Radweg durch den Mauerpark geführt wird. Hey, fragt doch mal die Radfahrer und deren Kinder, die durch den Mauerpark fahren (bzw. hoppeln), ob die gerne über die Holperstrecke fahren bzw. was die von der „Alternative“ Schönhauser Allee halten. Ein Teerstreifen würde sogar für die Fußgänger die Aufenthaltsqualität im Mauerpark erhöhen, weil die Radfahrer dann nicht mehr auf dem Sandstreifen fahren werden.

  2. Ich radel wirklich zu allen Tag-, Nacht- und Jahreszeiten durch Berlin und finde den Pflasterweg durch den Mauerpark angenehmer als so manche Kopfsteinstraße in der Umgebung. Ein bisschen mehr Gemütlichkeit ist hier wegen der vielen Fußgänger und sonstigen Parknutzer sowieso besser. „Zügige Fahrt“ ist zwar auf dem Weg durch den Jahn-Sportpark eigentlich auch nicht erlaubt (siehe entsprechende Verbotsschilder), aber da fahr ich lieber ein bisschen langsamer durch den Mauerpark und würde mich freuen, das Geld für einen Teerstreifen würde woanders verwendet.

  3. Hey Änne,
    also ich habe leider nicht genug Geld, um mir eine tolle Federung für mein Fahrrad zu leisten wie Du sie offenbar hast. Deswegen fahre ich auch nicht auf Kopfsteinpflasterstraßen und bei der Pflasterstraße nur auf dem Seitenstreifen. Na gut, die Fußgänger dort nerven schon ein bißchen. Aber es gibt ja keinen vernünftigen Radweg durch den Mauerpark.

  4. Ich kann Carlo nur zustimmen. Gerade, wenn man mal eine längere Radtour machen will und den Mauerweg fahren will, sind solche Stellen echt eine Plage. Da vergeht einem echt die Lust auf solche historischen Erkundungstouren.
    Ausserdem verstehe ich das mit der „Authentizität“ nicht. Demnach müßten auch wieder Schießanlagen aufgestellt werden.


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