25 Jahre Mauerfall – 20 Jahre Mauerpark

von Bernd Krüger am 4. November 2014

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Die Zeit der Teilung ist Geschichte –
Im ganzen Mauerpark lebt die Zukunft

Am 9. November 1994 wurde der 1. Bauabschnitt des Mauerparks eingeweiht, der Verein Freunde des Mauerparks setzt sich seit 10  Jahren aktiv ein für die baldige Vollendung.

Am 9. November 2014  zeigen wir ab 15 Uhr im Mauerpark Fotos  vom Zustand des ehemaligen Grenzbereiches im März 1990 im Vergleich mit Aufnahmen des gegenwärtigen Lebens. Mit heißen und kalten Getränken wollen wir an diesem bedeutenden Datum mit allen Freunden und Freundinnen des Mauerparks anstoßen.

Das Gelände des heutigen Mauerparks ist seit fast 25 Jahren ein Ort des lebendigen Engagements von Menschen aus den umgebenden Nachbarschaften, aber auch von Neu-BerlinerInnen, Gästen, Künstlern und jungen Leuten aus vielen Ländern der Welt.

Es begann mit der Pflanzung von Bäumen im ersten Frühjahr nach dem Fall der Mauer durch BewohnerInnen des Gleimviertels, um den ehemaligen Grenzstreifen für die Bevölkerung zur Parkanlage umzufunktionieren.

Aber auch politische Diskussion, Widerstand gegen Planungen der Senatsverwaltungen für die Olympia-Bewerbung und intensiver persönlicher Einsatz von BürgerInnen des Prenzlauer Berges sind ein starker Teil des Engagements und der politischen Kultur nach der Wende geworden.

Der Mauerpark ist ein Ergebnis des Wettbewerbes für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark als Teil der Olympia-Bauten und wurde 1993/94 auf Grundlage des Entwurfes von Landschaftsarchitekt Prof. Gustav Lange verwirklicht. Zuerst begleitet von öffentlichem Protest wegen der verordneten Planung, dann mit Skepsis wegen des rauhen und kahlen Charakters konnte dank der Grünflächenverwaltung Prenzlauer Berg und der finanziellen Beteiligung der Allianz-Umweltstiftung die erste Hälfte des mittlerweile weltbekannten Mauerparks entstehen. Er ist seiner Offenheit und Lage wegen ein Anziehungspunkt und Kommmunikationsort für unterschiedlichste Menschen geworden, auf historischem Boden mit nachvollziehbaren Spuren der ehemaligen Teilung.

Seit fünfzehn Jahren wuchs das Bürgerengagement für den Park stetig, woran der Einsatz der Mitglieder unseres Vereins Freunde des Mauerparks einen großen Anteil hat, sowohl bei der ehrenamtlichen Pflege des Parks wie auch in der Unterstützung aller Aktivitäten, die das Ansehen des Parks stärken helfen. Ein wichtiges Anliegen und mit der Zeit immer stärker werdendes Feld des Engagements ist  seit August 1999 die Forderung, den Mauerpark für alle Nachbarn, Berliner und Gäste wie vorgesehen fertigzustellen. An diesem Zeitpunkt wurde von der Senatsverwaltung beschlossen, den Mauerpark nicht über den ehemaligen Verlauf der Mauer hinweg zu vollenden, obwohl gerade diese verbindende Geste den Wert des Parkes für alle drei angrenzenden Stadtteile ausmachen wird. Diese schlechte und für den Park und seine Nutzung schädliche Entscheidung hat seitdem  eine große Zahl von Menschen mobilisiert und tatsächlich  seit 10 Jahren  mit steigendem Zulauf von kulturell  und politisch unterschiedlichen Mitstreitern eine Abstimmung mit den Füßen für die Notwendigkeit des ganzen Mauerparks  in der vollen Größe ausgelöst.

Im Jahre 2004 wehrten wir uns erstmals zusammen mit dem Bürgerverein Gleimviertel und Bezirkspolitikern des Prenzlauer Berges gegen eine Bebauung auf der Fläche des westlichen  Mauerparks.

Seitdem hat sich durch die Entwicklung der nun etablierten,  vielfältigen Vegetation, durch die  Musiker und Straßenkünstler im und am Park  sowie den von Anfang an begehrten  Flohmarkt die   Vision von Prof. Lange erfüllt: ein Ort, der 28 Jahre lang Todesstreifen genannt wurde ist zu blühendem Leben geworden, weil man sich gesellschaftlich entschlossen hatte, der Öffentlichkeit diesen Freiraum zu  geben und ihn nicht der Verwertung als Privat-Eigentum zu opfern. Diese Entscheidung feiern wir auch am 9.November  im Mauerpark und werden uns weiter  für die Fertigstellung engagieren, mit genau diesen Argumenten und ganz konkreten Plänen für eine vielfältige Nutzung.

Foto: Blick aus dem Wachturm 1990, Wilfried Schröder

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