Mauerpark-Fertigstellung: die Würfel sind gefallen

von Alexander Puell am 29. November 2012

Die Entscheidung ist gefallen: noch in diesem Jahr soll mit der Fertigstellung des Mauerparks begonnen werden.

4,8 Hektar mehr öffentliches Grün und 2 Hektar Fläche für den Erhalt des parkverträglichen Gewerbes von Flohmarkt, Pflanzenwunder, Mauersegler und Schönwetter sind dafür gesichert.

Im Gegenzug soll der bisherige Eigentümer der Flächen auf 3,5 Hektar nördlich des Gleimtunnels Baurecht für bis zu 600 Wohnungen bekommen – so sieht es der sogenannte Mauerpark-Vertrag vor, den sich Senat, Bezirk und Eigentümer miteinander im Hinterzimmer ausgedacht haben.

Man mag zu diesem Vertrag stehen wie man will, „Privatisierung von Gewinnen“, „Kuhandel“ oder einfach nur „Flickwerk ohne Zukunft“. Der umstrittene Vertrag wurde von der BVV-Mitte wie auch dem Berliner Abgeordnetenhaus gebilligt und setzt damit vorläufig den Grundstein für die Erweiterung des inzwischen völlig übernützten Mauerparks.

Das nun folgende Bebauungsplanverfahren wird eine ausgewogene Planung in Abwägung der verschiedenen Interessen schaffen müssen. Dabei wird zu fragen sein, ob die dem Investor versprochene Bebauung wirklich in maximaler Ausnutzung des Baufeldes kommen soll. In diesem Fall drohen wieder umfangreiche Proteste und langwierige Klageverfahren. Insbesondere ist darauf zu achten, dass nicht direkt an die Grenze zu Pankow gebaut wird: Die Jugendfarm Moritzhof braucht ausreichend Freiraum und es muss zudem gelingen, durchgängig von der Bernauerstraße bis zum Schwedter Stieg einen Teil des “Grünen Bandes” zu verwirklichen, als nationales Erbe Zeugnis einstiger Trennung und jetziger ökologischer Widmung.

Nach zwanzig Jahren der Ungewissheit über die Zukunft des Mauerparks kann und muss es nun endlich an die konkrete Fertigstellung des Parks gehen. Die Grünflächen des Parks müssen für alle Nutzergruppen nachhaltig gestaltet werden.

Zusammen mit den Gewerbetreibenden sollte es gelingen, eine Synergie zwischen Park und Versorgungsangeboten so zu schaffen, damit eine soziokulturelle Nutzung des Parks im Süden unterstützt, aber nicht durch wirtschaftliches Streben erdrückt wird.

Die bisherige Haltung mancher Mauerparkinitiativen, „Alles oder Nichts“, also, jegliche Bebauung abzulehnen, selbst wenn es jetzt zu keiner Parkerweiterung kommt, war keine zukunftsweisende Lösung. Auch behindert die Spaltung in „gut und böse“ die notwendige konstruktive Arbeit an der Parkplanung.

Die Freunde des Mauerparks werden weiterhin konstruktiv an der Fertigstellung des Mauerparks unter Berücksichtigung aller Nutzergruppen in der Bürgerwerkstatt arbeiten. Die Bürgerwerkstatt wird zusammen mit Bürgern und Initiativen aus dem Brunnenviertel wie dem Prenzlauer Berg die konkrete Ausgestaltung des Parks voranbringen. Eine wichtige Rolle spielt dort auch eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten Prof. Lange und der Grün-Berlin.

Für die Freunde des Mauerparks liegt die Fortführung der Bürgerbeteiligung im Zentrum der Aufmerksamkeit. Nicht nur beim Kampf um die Mauerparkerweiterung, sondern auch bei der Ausgestaltung und Nutzung des Mauerparks möchten wir alle wichtigen Akteure auf Augenhöhe zusammen bringen.

Die Grabenkämpfe sind vorbei, nun werden die Spaten für das Pflanzen des neuen Mauerparks benötigt.

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