100 Jahre alte Kastanie auf dem Falkplatz gefällt

von Bernd Krüger am 20. November 2011

Mit der am 15.11.2011 gefällten, über 20 Meter hohen Kastanie an der Rundbank verschwand einer der ältesten Bäume auf dem Falkplatz.

Seit annähernd 100 Jahre war die Kastanie ein Zeugnis für den Beginn der Geschichte der Grünanlage vor genau einhundert Jahren, sie war eine standhafte Zeitzeugin in den Zeiten des zweiten Weltkriegs und der Teilung Deutschlands.

Der majestätische Baum war nach Einschätzung des Amts für „Umwelt und Natur“ durch einen aggressiven Holz zerstörenden Pilz stark in Stand- und Bruchsicherheit „gefährdet“.

Die Fällung kam für Anwohner und Parkbesucher überraschend – entsprechend verständnislos und traurig sind die Reaktionen: Kerzen und Blumen säumen den Baumstumpf und die verwaiste Rundbank.

Bevor die Pflanzung eines neuen Baumes an alter Stelle durch das Grünflächenamt erfolgen kann, werden Anwohner, Parknutzer und Grünflächenamt an einem Rundem Tisch zusammen kommen müssen, um über ihren Ärger und Frust zu sprechen. Mit frischem Blick nach Vorne und passender Auswahl eines neuen, adäquaten Baumes kann dann die Geschichte des Falkplatzes im nächsten Frühjahr fortgesetzt werden.

Für uns als Freunde des Mauerparks ist es wichtig, an dieser Stelle wieder Dinge zu verknüpfen, die in Vergessenheit geraten zu sein scheinen:

Die Verbundenheit der Anwohner mit dem Falkplatz, die Geschichte der Parkanlage mit deren ursprünglicher Qualität und ein wieder herzustellendes Vertrauen zwischen Ämtern und Bürgern.

Die Bürger trauern – weitere Eindrücke und Informationen:
www.facebook.com/falkplatz.baum

Eine kurze, chronologische Übersicht zum Falkplatz:

  • 1908 erster Entwurf der Stadtbauinspektion
  • 1911/13 veränderter Entwurf durch Gartendirektor Albert Brodersen ausgeführt in zwei Bauabschnitten
    Die gefällte Kastanie war ein Baum von einer Gruppe, die den Nord-Süd- verlaufenden Mittelweg rahmte
  • 1935 Veränderung von Sitzplätzen und Wegeführung durch Gartenamtsleiter Paul Mittelstädt
  • 1954-56 Erneuerung des Platzes und Einbau einer Plansche durch Entwürfe von Helmut Kruse und Ausführung durch Hochbauabteilung I, Grünanlagenbau
  • 1961 Verkleinerung durch Bau der Grenzanlagen entlang der Schwedter Straße
  • 1973 Umgestaltung der verbliebenen Parkanlage durch das Stadtgartenamt
  • 1990 Pflanzung von Bäumen auf dem ehemaligen Grenzstreifen-Bereich durch Anwohner- Initiative aus dem Gleimviertel
  • 1997 teilweise Neuanlage des westlichen Falkplatzes im Zusammenhang mit dem Bau der Max-Schmelig-Halle und der Regenwasser-Versickerungsanlage

Ein Kommentar to “100 Jahre alte Kastanie auf dem Falkplatz gefällt”


  1. Es ist wirklich traurig, dass dieser Baum gefällt wurde. Und es ist angesichts der aggressiven ‚Baumfällpolitik‘ des Bezirksamts (politisch verantwortlich: Stadtrat Torsten Kühne, CDU) in den letzten Jahren fraglich, ob die angegebene Begründung der mangelnden Stand- und Bruchsicherheit tatsächlich zutrifft. Eher geht es wohl von Seiten der Verwaltung darum, alte Bäume aufs Geratewohl zu fällen, um jedwedes finanzielle Risiko von Sturmschäden und der Haftung für diese auszuschalten, auch wenn nur geringste Anzeichen von Krankheiten o.ä. vorliegen. Es wäre wünschenswert, wenn vor solchen Fällaktionen zumindest unabhängige Gutachten eingeholt und öffentlich gemacht würden. Ich jedenfalls habe nach diversen Nacht-und-Nebel-Fällaktionen keinerlei Vertrauen in die ‚Einschätzung‘ von Schadensrisiken durch das ‚Amt für Umwelt und Natur‘.

    P.S.: Gibt es denn irgendeinen Beleg dafür, dass dieser spezielle Baum überhaupt einen Pilzbefall hatte und seine standsicherheit dadurch beeinträchtigt war?