Bürgerwerkstatt fordert Mauerpark-Fertigstellung

von Bernd Krüger am 22. Mai 2011

Die Bürgerwerkstatt ist seit Herbst 2010 das Gremium zur offenen Diskussion und zur konkreten Planung der zukünftigen Mauerpark-Flächen im Bezirk Wedding. In dieser konstruktiven und produktiven Form der Bürgerbeteiligung finden sich Bürger und Initiativen mit allen Planungsverantwortlichen zusammen (Landschaftsarchitekt: Prof. Gustav Lange, ausführende Firma des Landes Berlin: Grün-Berlin GmbH, sowie Stadtplanungsabteilung Mitte und Grünflächenamt Mitte).

Die Planungsansätze der Bürgerwerkstatt basieren auf den dort gemeinsam gesammelten Ideen vieler Initiativen, Vereine und Anwohner, die bisher in langjährigem Engagement ohne finanzielle Ausstattung und professionelle Planungshilfe für den Park kämpfen mussten.

Ohne die von der Grün-Berlin initiierte Bürgerwerkstatt wären aber keine verbindlichen Gespräche und keine Entwicklung planerischer Instrumente zwischen Landschaftsarchitekt und Anwohnern sowie Initiativen entstanden. Ohne die ausdrückliche Unterstützung der Mehrheit im Abgeordnetenhaus, diese Bürgerwerkstatt mit weiteren finanziellen Mittel zu ermöglichen, verfliegt der Elan und die Hoffnung der Bürger, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiterhin die Fertigstellung der Mauerpark vorantreiben wird. Denn die Umsetzung der Ideen ist von der Haushaltslage der Stadt Berlin abhängig und der Kauf der Flächen aus Mitteln der öffentlichen Hand ist bisher von keiner der Regierungskoalitionen der vergangenen 15 Jahre über das Stadium von Wahlversprechungen hinaus gebracht worden.

Im Juni wird nun also als Ergebnis dieser Bürgerwerkstatt ein ausgearbeiteter Entwurf von Professor Lange vorliegen, welcher dann zeitnah realisiert werden könnte. Dafür allerdings müssen sich die Parteien im Bezirk Mitte und im Abgeordnetenhaus darüber einig werden, auf welchem Weg die Parteien dieses Ziel erreichen wollen. Denn das Ziel selbst stellt bezeichnenderweise niemand in Frage.

Der Wunsch der Mehrheit der Mitglieder der Bürgerwerkstatt ist es, eine Planungsvariante zu erarbeiten, die die gesamte Fläche zwischen Bernauer Straße und Gleimtunnel ohne Bebauung vorsieht. Diese Variante soll zeigen wie den Nutzungen Flohmarkt, Blumenmarkt und vorhandener Gastronomie sowie weiteren weichen Nutzungsideen als Teil des Parks oder auf gepachtetem Gelände Platz gelassen werden können. Diesen Planungsauftrag an Professor Lange unterstützt auch die mit der zukünftigen Ausführung beauftragte Grün-Berlin.

Einem weiteren Vorschlag von Mitgliedern der BW, auch die Fläche nördlich des Gleimtunnels in die Freiflächenplanung des Mauerparks einzubeziehen, konnte sich der Vetreter der Grün-Berlin aus planungsrechtlichen Gründen allerdings nicht beugen. Die Begründung für diese Forderung besteht in dem Platzbedarf für verschiedene Nutzungen, die im geplanten Mauerparkteil südlich des Gleimtunnels keinen Platz fänden oder einen wilden Charakter benötigten: interkulturelle Gärten, Naturerfahrungsräume für Heranwachsende, Erweiterungsflächen für die Jugendfarm Moritzhof, Flächen für einen Aktivspielplatz und einen Kinder-Mitmach-Zirkus. Eine Darstellung im zukünftigen Plan von Professor Lange als undifferenzierte, mit grüner Farbe unterlegte Fläche wurde aber als sinnvolles Zeichen an die politischen Parteien im Senat und den Bezirksparlamenten beschlossen.

Somit wird es von der Bürgerwerkstatt eine Mauerpark-Planung ohne Baufelder geben.

In der Bürgerwerkstatt wurden auch wesentliche inhaltliche Bedingungen für die Ausgestaltung des Mauerparks diskutiert und als Arbeitsauftrag für Professor Lange verabschiedet. Der Landschaftsarchitekt Prof. Lange hatte auch an der Sitzung im Mai rege teilgenommen und somit auch die Argumente für Wünsche wie Ausgestaltung ruhigerer Aufenthaltsbereiche, einen zentralen Nachbarschaftspavillon, eine alternative Idee für die vorgeschlagene Stufenpyramide an der Lortzingstraße und die Integration temporärer kultureller und gewerblicher Nutzungen mitdiskutieren können.

Die starke inhaltliche Diskussion und die sachliche Atmosphäre liessen schon ein sehr konkretes Bild des fertiggestellten Mauerparks in den Köpfen entstehen. Dieses überzeugte sogar die als Gast anwesende Jutta Matussek von der Partei Die Linke, die sich als Mitglied des Hauptausschusses des Abgeordnetenhauses, wie sie sagte als Zitat: „Vertreterin des Geldgebers für die Bürgerwerkstatt“, ein Bild von der Arbeitsweise  machen wollte. Alle Beteiligten gehen nun davon aus, dass der Parkbereich im Wedding eine öffentliche Grünfläche werden wird (und somit dauerhaft für die Zukunft gesichert) mit Teilbereichen, welche Nutzungen wie Flohmarkt, Außengastronomie und Bürgerschaftliches Engagement weiterhin möglich machen. Der weitere Planungsprozess ist abhängig von der  Freigabe weiterer finanzieller Mittel. Die Planung von Professor Lange auf Grundlage der Bürgerwerkstatt sollte auf jeden Fall das von allen unterstützte Modell des zukünftig „ganzen“ Mauerparks sein, dem die Initiatoren der Stiftung Weltbürgerpark nicht entgegen stehen.

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