Ausschußsitzung der BVV Mitte zum Mauerpark

von Alexander Puell am 26. November 2009

bvv-25-11-09

Mit großer Bürgerbeteiligung und vielen Redebeiträgen hat die erste Ausschußsitzung des Bezirkes Mitte zur Fertigstellung des Mauerparks einen Anstoß bei den Ausschußmitgliedern und auch bei der Vivico gegeben, weiter über Lösungen für den Konflikt zu beraten.

Die Vorstellung der zwei Plan-Varianten des Baustadtrates Gothe wurde einhellig von allen Initiativen und auch von mehreren Ausschußmitgliedern abgelehnt.

Die Vorstellung von Entwürfen für die Vollendung des Mauerparks durch den Landschaftsarchitekten Professor Gustav Lange überzeugte die Anwesenden von den Möglichkeiten der Qualität eines Parkes mit einem breiten Rand aus verschiedenen Baumreihen. In die, zwischen den Baumreihen offenen Räume lassen sich Nutzungen verschiedener Art integrieren.

Professor Lange schloß jedoch auch eine bauliche Fassung des Parkes in Teilbereichen nicht aus. Diese Darstellung brachte endlich den Gedanken des verbindenden Parkcharakters wieder ins Bewußtsein zurück und machte ihn plastisch vorstellbar.

Als einzige Beschlußfassung zu dem Thema Mauerpark gab es an diesem Abend lediglich ein mehrheitliches Ergebnis, die vorgelegten Pläne, Entwürfe von Professor Lange und Vorschläge der Freunde des Mauerparks in den Fraktionen zu erörtern und an einem nächsten Termin eine Beschlußfassung als Vorlage für die Bezirksverordnetenversammlung vorzubereiten.

Der Redebeitrag der Freunde des Mauerparks e.V. im Wortlaut:

Die Freunde des Mauerparks fördern und unterstützen das deutliche, politische Engagement der Parknutzer und –anwohner. Eine breite Bevölkerungsschicht macht sich seit Jahren stark für den Erhalt ihrer kulturellen Grünfläche, die auch weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt wird.

Wir lehnen gemeinsam mit allen hier heute versammelten Bürgerinitiativen die von der Vivico und Herrn Gothe vorgelegten Bebauungs-Pläne des Mauerparks ab.

Die Freunde des Mauerparks setzen sich dafür ein, dass der Mauerpark zügig und ohne Wohnbebauung fertiggestellt wird. Die Fertigstellung des Mauerparks ist seit vielen Jahren überfällig und die Menschen haben ein unveräußerliches Recht auf mehr sowie attraktive Erholungsmöglichkeiten in Kiez-Nähe.

Wir unterstützen eine Integration des bereits bestehenden parkverträglichen Gewerbes wie z.B. den Flohmarkt und Mauersegler und wünschen uns darüber hinaus die Möglichkeit der sozio-kulturellen Nutzung mit neuen Räumlichkeiten für Kinder, Jugendliche und Kreative.

Seit 10 Jahren müssen wir uns gegen die Pläne der Senatsverwaltung und des Bezirkes Mitte wehren, auf einem Teil der geplanten Mauerparkfläche Wohnungsbau zu entwickeln.

Seit 7 Jahren werden wir mit immer neuen Varianten konfrontiert, die alle nicht das Ziel des vollendeten Mauerparks im Kern verfolgen. Sie stützten sich alle auf die Unterstellung von möglichem Baurecht auf diesem Areal, ausgehend von der Voraussetzung, dass die Finanzierung eines Flächenkaufes seit 1999 nicht mehr realistisch ist.

Vor 5 Jahren haben wir im Verlauf des Moderationsverfahrens versucht deutlich zu machen, dass es um die Qualität der Parkanlage und der angrenzenden Wohngebiete gehen muß und nicht um bauliche Grundstücksausnutzung. Wir sahen eine Möglichkeit, den Mauerpark in Gänze zu vollenden, wenn sich die Eigentümerseite mit einer Bebaung nördlich des Gleimtunnels zufrieden geben würde. Damals lehnte die Vivico diese Möglichkeit ab.

Seit einem Jahr wünschen wir uns ein Gespräch mit Ihnen hier im Ausschuß für Stadtentwicklung, um über unsere konzeptionellen Ideen für die Fertigstellung des Mauerparks ins Gespräch zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt war die Variante aus dem Hause des Baustadtrates schon ein Jahr veröffentlicht. Seitdem haben wir nun die heute vorgestellten, verschärften Baupläne, die wir nicht akzeptieren können.

In dem jahrelangen Engagement unseres Vereins begleitet uns in vielen einzelnen Problemlagen eine breite Öffentlichkeit. Vor allem haben wir immer die konstruktive Zusammenarbeit mit den Institutionen, Behörden der beiden Bezirke, direkten Anliegern des Mauerparks und Nachbarn gepflegt.

Wir wollen eine neue rationale Ebenen in den alten Konflikt einführen
Durch einen Diskussionsvorschlag wollen wir die zukünftige Debatte bereichern.
Die Priorität liegt weiterhin darauf, den Mauerpark in seinem geplanten Umfang fertigzustellen. Auf dem Areal an der Bernauer Straße soll die vorhandene Atmosphäre erhalten und gestärkt werden durch die Ergänzung von parkverträglichen, gewerblichen Nutzungen in Verbindung mit einem soziokulturellen Zentrum. Der Erhalt des Flohmarktes ist an dieser Stelle möglich. Dieses Vorhaben soll in Form eines Betreibermodells finanzierbar sein.

Vier Parkzugänge sollen den Wedding mit dem Mauerpark verbinden, die vorhandene Pflasterstraße bildet mit einer Allee überstanden ein zweites Rückrat des Parkes. Das Birkenwäldchen erhält ein vielfältig nutzbares Pendant mit Spielbereich und vorhandenen Obstbäumen. Ein Weg, der auch mit Fahrrädern befahren werden kann bildet eine Verbindung über den Gleimtunnel hinweg bis zum Schwedter Steg und zum Mauerradweg.

Auf der Fläche nördlich des Gleimtunnels kann ein Wohnviertel aus dem Gleimtunnel heraus erschlossen werden und zusätzlich über die vorhandene Trasse von der Brunnenstraße aus erreicht werden. Der Tunnel könnte endlich einer Sanierung entgegensehen.
Diese Lösung kommt nur in Form eines sozial gemischten Konzeptes in Frage.
Die angrenzenden Stadtteile müssen dabei verknüpft und die Infrastruktur von Einkaufen und Öffentlichem Verkehr genutzt werden. Daraus ergibt sich ein klares Plädoyer für das Zusammenspiel von Dichte und Weite und dadurch ungestörte Nutzungen von aktivem Park und ruhigem Wohnen.

Ein juristisch durchgesetztes Baurecht ohne Bebauungsplan oder den Ausbau von Gewerbehallen durch die Vivico sehen wir mit großen Befürchtungen kommen, wenn es nicht endlich die Festlegung eines definierten Bebauungsplanes mit dem Ziel öffentlicher Parkanlage gibt.

Der von den Freunden des Mauerparks e.V. vorgelegte Lösungsvorschlag verlangt von allen Beteiligten gegenseitigen Respekt für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Durch eine vermittelnde, konstruktive Annäherung aller Seiten ist eine zeitnahe Fertigstellung des Mauerparks möglich.

Unabhängig von den politischen Konstellationen und Finanzierungsansätzen, haben wir heute ein Konzept vorgestellt, das plastisch zeigt, wie der Charakter des Mauerparks hier und heute bewahrt werden kann, Darüber hinaus sehen wir unsere Philosophie der „Ausgestreckten Hand“ als Leitbild, das zeigt, wie wir die Vision des Mauerparks in den Köpfen und Herzen der nachfolgenden Generationen verankern können.

Wir laden alle Interessierten ein, sich gemeinsam mit den Freunden des Mauerparks tatkräftig und konstruktiv an der Vollendung und Ausgestaltung des Mauerparks zu beteiligen.

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