Geschichte bewahren – Pflasterstrasse erhalten!

von Mauerpark Redaktion am 24. Mai 2019

Die Freunde des Mauerparks fordern den dauerhaften Erhalt des vorhandenen Großsteinpflaster-Belages in seiner überwiegend unangetasteten, 130 Jahre alten, hochwertigen und nachhaltigen Bauqualität. Sowohl in ihrem Verlauf wie auch in ihrem Erscheinungsbild ist diese Straße als stummer Zeitzeuge unentbehrlich.

Vorschläge für die Zugänglichkeit für Alle

Da inzwischen weiterführenden Überlegungen zur Zugänglichkeit von Teilbereichen des gesamten, zukünftigen Mauerparks diskutiert werden, möchten wir dazu Stellung zu nehmen.

Einer unserer Grundwerte für den Mauerpark ist Inklusion. Daher begrüßen wir selbstverständlich den Versuch, möglichst viele Flächen für alle NutzerInnen zugänglich zu machen. Wir können jedoch den Vorschlag, die Pflasterstraße selber als glatte Fläche beziehungsweise als schnelle Radverbindung umzugestalten auf keinen Fall gutheißen.

Baukünstlerische und historische Aspekte

Die in Lage und Material in ursprünglicher Fassung mit hellen und rötlichen Granit-Reihensteinpflaster eng gefügten, vorhandenen Wegefläche mit hoher und dauerhafter baulicher Qualität steht für die geschichtliche Aussage des Parks als zeitlich erste Schicht der Bahnhofs-Zeit. Sie ist von hohem ästhetischem Reiz in ihrer handwerklich hergestellten, überlieferten Original-Fassung. Die Ebenheit der Pflaster-Oberfläche ist für Berliner Verhältnisse sehr hoch, ohne dass größere Reparaturen ausgeführt wurden. Die geschichtliche Erlebbarkeit des Mauerweges für interessierte Besucher und diese Besonderheit des Wegebelages an gerade diesem Ort des ehemals mit Sand überschüttetm Grenzbereiches muss erhalten bleiben.

Aspekte der Nutzbarkeit

Bisher hat sich gezeigt, dass gerade wegen der etwas rauhen Befahrbarkeit hier Konflikt-Situationen zwischen Radfahrern und Fußgängern sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität eher selten aufgetreten sind (gebremste Geschwindigkeit, schlechte Befahrbarkeit für E-Roller und Skater).
Daher würde jede Glättung den Vorrang der Fußgänger beeinträchtigen und eher zur Schaffung von Konflikten statt zu ihrere Lösung führen. Der parallel zur Pflasterstraße verlaufende Gehweg oberhalb des Bordsteins ist durch fehlende Pflege und die Bauarbeiten der Berliner Wasserbetriebe stark zerstört, könnte aber nach Wiederherstellung mit dauerhafter Wegedecke eine barrierefreie Durchwegung sowie Zugänglichkeit zur geschichtsträchtigen Pflasterstraße wie auch zum Kulturangebot im Amphi-Theater gewährleisten. Die 2020 fertigzustellende Erweiterungsfläche wird mehrere Möglichkeiten der „Berollbarkeit“ auf ebenen Oberflächen bieten.

Die Freunde des Mauerparks werden sich auch über den Rahmen der Machbarkeitsstudie für den Denkmalschutz im Mauerpark einsetzen und hoffen einen behutsamen Umgang mit Bestand und historischen Elementen im Mauerpark.

 

Weitere Infos und Hintergründe:
Machbarkeitsstudie zur Aufwertung des Mauerparks
Fazit der Bürgervereine zur Pflasterstrasse (2005)
Vernunft setzt sich durch (2005)

In der Presse:
Wird der Mauerpark zur Radrennstrecke? – Tagesspiegel 23.5.2019
ADFC schlägt Kompromiss für Radweg vor – Tagesspiegel 29.5.2019
Pflaster könnte Radweg weichen – Morgenpost 29.5.2019
Umweltverbände und Fußgänger warnen vor Radschnellwegen – Morgenpost 6.6.2019

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