Über die Kultur des Miteinanders im Mauerpark

von Mauerpark Redaktion am 3. Oktober 2018

Die heißen Monate im Mauerpark sind für dieses Jahr vorbei, so dass nun auch die Frequenz von Menschen, Musik und Protest-Mobilisierung eine ganz natürliche Beruhigung erfahren dürfte.

Zeit also für eine Bilanz, die bei allen Beteiligten wie Anwohnerschaft, Straßenmusikern im Park und rundherum, Grünflächenverwaltung, Ordnungsamt, Polizei und Bezirkspolitik zu intensivem Austausch und Gesprächen geführt hat.

Fast alle sind über die derzeitige Situation frustriert:

  • Musizieren ohne Verstärker ist im Mauerpark zwar weiterhin erlaubt, ist aber für Straßenmusiker nicht praktikabel.
  • Das Ordnungsamt hat keine Kapazitäten, die Musiker und Parknutzer auf die Einhaltung der Regeln hinzuweisen.
  • Polizei und Ordnungsamt verfügen nicht über geeignete Messtechnik und müssen jeder, auch subjektiven, Störung nachgehen.
  • Lärmgeplagte Anwohner fühlen sich im Stich gelassen – können nur auf Regen oder sinkende Temperaturen hoffen.

An unserem Infostand im Mauerpark wie auch im Internet wurde es bei der Diskussion schnell emotional. Das Gefühlte stand im Vordergrund. Mit allem Respekt dafür, ist es aber dringend nötig die Fakten zu beleuchten, um gemeinsam Lösungen zu finden:

  • Wie groß ist die Beeinträchtigung  der lärmgeplagten Nachbarn?
  • Welche  Straßenzüge und welche Wohnungen dort sind betroffen?
  • Welche auch ggf. Mauerpark-unabhängigen Bedingungen tragen dazu bei, dass das das Gefühl der Störung entsteht?
  • Werden unterschiedliche Verursacher und Uhrzeiten berücksichtigt?
  • Wie können Parknutzer dazu beitragen, dass es bei den Nachbarn zu weniger Störungen kommt?
  • Was könnte baulich gemacht werden, um den Schallschutz zu verbessern?

Zur Klärung der Fragen ist ein Dialog auf Augenhöhe sinnvoll, in dem alle Beteiligten ihre Standpunkte und ihre Bedürfnisse erläutern können. Der im September von der Kulturgemeinschaft ins Leben gerufene „Runde Tisch Mauerpark“ bietet dafür ein geeignetes Kommunikationsforum, in dem nun regelmässig die verschieden Probleme diskutiert und Lösungen entwickelt werden können.

Die Politik ist gefordert, daraus konkrete Vorgaben für die Verwaltung zu formulieren, wie der Sozialraum und Kulturstandort Mauerpark einerseits erhalten werden kann und anderseits die Anwohner wirkungsvoll vor extremen Belästigungen durch rücksichtsloses Verhalten geschützt werden können.

Professionelle Ansprechpartner wären dafür im Park wünschenswert, die die Aufgabe hätten, für ein rücksichtsvolleres Miteinander zu sorgen.  Mit dem Projekt „Respekt für die Nachbarschaft“ ging die Kulturgemeinschaft Mauerpark bereits in Eigeninitiative einen ersten Schritt in diese Richtung (Informationsschilder auf den Gehwegen und Eingängen und Gespräche mit den Strassenmusikern).

Der Mauerpark, der bisher von vielfältiger Kultur und vornehmlich freundlichem Miteinander geprägt ist, sollte nicht zu einem Schauplatz von Nutzungskonflikten und der Ausgrenzung von Nutzergruppen verkommen. In seiner langen Geschichte hat sich der Mauerpark vom Todesstreifen zum international geschätzten Ort der Begegnung entwickelt und in diesem Geiste sollten auch die aktuellen Diskussionen geführt werden – mit Herz und nicht mit der geballten Faust.

Die Freunde des Mauerparks werden diesen Dialog gemeinsam mit der Kulturgemeinschaft Mauerpark fördern und sich für gemeinsame Lösungen im Interesse aller Nutzergruppen einsetzen.

In der Presse:
Morgenpost – Inseln für Musiker im Mauerpark – 17.10.2018
taz – Der Mauerpark droht zu verstummen – 21.09.2018
Morgenpost – Streit um Musiker droht zu eskalieren – 20.09.2018

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch

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