Erste Mauerparkerweiterung!

von Rainer Krüger am 25. Juli 2013

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Brunnen- und Gleimviertel fußläufig verbunden

Am 24. Juli vormittags konnte man staunen: statt trennender  Eisenzäune laufen  Menschen ungehindert von Viertel zu Viertel. Am Parkeingang an der Lortzingstraße stehen Stände der Bürgerwerkstatt, der Freunde des Mauerparks, der Mauergärtner, der Jugendfarm Moritzhof und des Quartiersmanagements Brunnenviertel, um über ihre Aktivitäten zu berichten. Hohe Würdenträger – die Staatssekretäre Gaebler und Gothe von der Stadtentwicklungsbehörde, der zuständige Bezirksstadtrat Spallek von Berlin Mitte und Herr Dr. Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, durchschneiden das obligate rote Band, um die Querverbindung durch den Mauerpark freizugeben. Es werden Reden zur Mauerparkerweiterung geschwungen, auch ein Bürgersprecher trägt sowohl Freude als auch Kritik vor. Durchaus einige Anwohnerinnen und Anwohner komplettieren die morgendliche Runde ebenso wie die Pressevertreter.

Was hat das zu bedeuten?

Tatsächlich ist es zum ersten  Mal ein freudiges Ereignis, das es zu feiern gibt: Über Jahre hinweg haben engagierte Bürgerinnen und Bürger vor allem in den unterschiedlichen Initiativen, aber auch einzelne Politiker, vorzugsweise aus Pankow, gegen die drohende Bebauung  der Erweiterungsfläche südlich des Gleimtunnels gekämpft. Und jetzt gibt es den Lohn dafür. Der erste Abschnitt der Parkerweiterung ist mit zwei Hektar verwirklicht worden. Es werden sich ruhigere Nutzungen als im Pankower übernutzten Parkteil etablieren: naturnah zu  belassende Wiesen, die Mauergärtner mit ersten aus Paletten gefertigten Hochbeeten und rustikaler Sitzmöblierung, unter schattigen Bäumen ruhige Flächen zum gemütlichen Verweilen. Aber es werden sich auch Skater, Roller und Biker auf der Asphaltstrecke an der Grenze zum Pankower Parkareal austoben können sowie Flächen für  Sandspiele und andere Angebote für Kinder entwickelbar sein.

Die Mauerparkaktiven hoffen, rasch einen  Geräteunterstand und Toiletten mit Hilfe der Grün Berlin GmbH einzurichten und Wasseranschlüsse zu erhalten. Schließlich ist erwähnenswert, dass Pflege, Müllentsorgung und Unterhalt der neuen Parkfläche von GrünBerlin im fast täglichen Rhythmus gewährleistet sein sollen. Damit wäre es auch möglich, unter Mitwirkung von GrünBerlin  einige feste Grillplätze verfügbar zu machen – ein Modellfall, wie man in Berlin-Mitte das absolute Grillverbot etwas liberaler gestalten könnte.

So viel Freude über und Zustimmung zur ersten Etappe der Parkerweiterung – und kein „aber“? Leider ist es  nicht so.

  • Das Gesamtkonzept der Erweiterung bis auf fünf Hektar ist noch zu erarbeiten. Hier ist die Zusammenarbeit  der Bürgerwerkstatt mit dem Landschaftsplaner Prof. G. Lange gefordert. Zusätzlich muss die Verzahnung der Parkfläche mit den Erbbaunutzungen von Flohmarkt, Mauersegler, Schönwetter und der Blumenhandlung geplant und in Verträgen zwischen dem Land Berlin und den Gewerbetreibenden umgesetzt werden.
  • Angesichts der schon heutigen Übernutzung des bestehenden Parks mit zig tausenden Besuchern vor allem an den Sommerwochenenden treten negative Folgen auf: Vermüllung, überstrapazierter Rasen und mangelnde Pflege des Bewuchses. Wenn der Bezirk Pankow mit dieser Aufgabenwahrnehmung, vor allem wegen finanzieller Klemme, überfordert ist, sollte es nicht eine Gesamtlösung zwischen beiden Bezirken und GrünBerlin geben, bei der materiell und praktisch sichergestellt wäre, dass der erweiterte Park in einem pfleglichen Zustand gehalten werden kann?
  • „Der Widerstand von gestern bleibt der Widerstand von morgen“! Das will heißen, dass sich alle Initiativen darin einig sind, dass die jetzigen Bauabsichten der Groth Gruppe nördlich des Gleimtunnels nicht zu akzeptieren sind.
  • Die für das Land und die Bürgerinnen und Bürger ungünstige Verknüpfung von „Baurecht gegen Freifläche“ in einem Mauerparkvertrag, der so nicht über einen gültigen Bebauungsplan zur Umsetzung kommen darf.

Wenn auch alle diese Punkte die endgültige große Parkerweiterung in der Schwebe lassen, bleibt eine Tatsache bestehen: Die Anwohner und Berliner überhaupt haben am 24. Juli die zwei Hektar Parkerweiterung in Besitz genommen. Von hier werden sie sich nicht mehr vertreiben lassen!

 

In der Presse:
Grillen oder chillen – Tagesspiegel 25.7.13
Stadtentwicklungstheater “Mauerpark” – nächster Akt – PAZ 25.7.13
Berlins nächste Wiedervereinigung – Tagesspiegel 24.7.13
Bau neuer Luxuswohnungen befürchtet –  Morgenpost 24.7.13
Mauerpark in neuer Hand – Berliner Zeitung 24.7.13
Hier können Sie jetzt hinlaufen – PBN 24.7.13
Wie Schafe in der Steppe – TAZ 24.7.13
Neue Grünverbindung zwischen Pankow & Mitte – PAZ 23.7.13

 

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