Luxuswohnungen passen nicht zum Mauerpark!

von Rainer Krüger am 15. Februar 2013

Die überraschende Präsentation städtebaulicher Entwürfe durch Baustadtrat Carsten Spallek und Bauunternehmer Klaus Groth für die Nordbebauung im Mauerpark kann die Bürgerwerkstatt nur mit Unverständnis zur Kenntnis nehmen. Die Groth Gruppe hatte eine Delegation der Bürgerwerkstatt Mauerpark Fertigstellen im Januar zu einem Sondierungsgespräch eingeladen. Ziel der Kontaktaufnahme war es, auszuloten, ob es zwischen der Forderung der Bürgerwerkstatt nach einer nur maßvollen Bebauung und den Plänen des Investors Annäherungen geben kann. Der begonnene Dialog sollte, das bestätigten beide Seiten, offen und respektvoll sein.

Das Vorgehen der Groth Gruppe steht dem vereinbarten Dialogstil entgegen. Anders als im ersten Gespräch vereinbart, hat Groth die Bürgerwerkstatt die Entwürfe nicht rechtzeitig einsehen und diskutieren lassen. Die dialogbereiten Bürger werden so von Verwaltung und Investor vor vollendete Tatsachen gestellt. Es bestätigt sich der bereits nach dem Sondierungsgespräch entstandene Eindruck: Die Groth Gruppe verfolgt nach altbekannter Investorenmanier allein das Ziel einer optimalen Verwertung und Renditeausschöpfung der nördlichen Fläche.

Es sollen vorrangig hochpreisige Luxuswohnungen entstehen. Das geplante Wohnquartier steht im völligen Widerspruch zu den seit langem bekannten den Essentials der Bürgerwerkstatt:

  • Eine soziale Durchmischung und nachbarschaftsverträgliche Bebauung zum Brunnen- und Gleimviertel wird nicht erreicht, auch nicht dadurch, dass ein bescheidener Rest an Wohnungen eventuell preisgünstiger und/oder in Trägerschaft einer finanzstarken Genossenschaft entstehen könnte.
  • Die volle Ausnutzung des Baufeldes für den Wohnungsbau lässt nicht mehr ein 25 Meter Abstandsband auf der ganzen Länge der Grenze zu Pankow zu.
    Eine Abstandswahrung nur gegenüber der Jugendfarm macht die Idee des „Grünen Bandes“ – eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – im nördlichen Mauerpark zunichte.
  • Zwar wird die Existenz des Kinderbauernhofs Moritzhof respektiert. Er ist jedoch für die Baulust des Investors eher ein Hindernis. Deshalb von der Groth Gruppe eingebrachte Überlegungen zu einer Verlegung der sozialkulturell bedeutenden Institution sind vehement abzulehnen.
  • Das umfänglich geplante Wohnprojekt gibt – außer einer auf 40 Plätze begrenzten Kita – keine Antwort auf die Frage, wie der zusätzliche Bedarf an öffentlichen Einrichtungen (z.B. Schulen) gedeckt werden kann.

Sprecher und Delegationsmitglieder der Bürgerwerkstatt sehen unter den völlig konträren Ausgangslagen keinen Spielraum mehr für einen konstruktiven Dialog mit der Groth Gruppe. Sie werden der Bürgerwerkstatt empfehlen, gegen die geplante Nordbebauung zu mobilisieren. Der dem Städtebaulichen Vertrag zugrundeliegende Entwurfsplan von Prof. Lorenzen darf nicht im Bebauungsplan Wirklichkeit werden.

Die Bürgerwerkstatt wird gemeinsam mit weiteren Mauerpark-Initiativen auf politischem Wege dazu Einfluss auf das Bebauungsplanverfahren nehmen.

Der Senat von Berlin sollte nicht untätig wegsehen, sondern seinem Versprechen nach preiswertem Wohnraum Taten folgen lassen, das heißt, dieses massive und teure Luxus-Bauprojekt sofort zu stoppen.

In der Presse:
Pläne vorgestellt, Bürgerbeteiligung gescheitert – PBN 15.02.2013
Eklat um Mauerpark – taz 16.02.2013
Streit flammt wieder auf – Tagesspiegel 16.02.2013
Sozialwohnungen oder Luxus – Berliner Zeitung 16.02.2013
Gegen Nord-Bebauung mobilisieren – Prenzlb. Stimme 15.02.2013
Teuer Wohnen am Mauerpark – Neues Deutschland 18.02.2013
Groth plant Mauerpark ohne Abendsonne – PA 18.02.2013
Widerstand gegen Baupläne wächst – Berliner Woche 21.02.2013

Bild und Planskizze: © Groth Gruppe

2 Kommentare to “Luxuswohnungen passen nicht zum Mauerpark!”


  1. Da haben sie euch ja schön vorgeführt, klassisch eingelullt und dann abserviert. Der Zug ist abgefahren, die Fakten sind geschaffen und protestieren wird jetzt nur noch das Häufchen Verwegener, das noch nicht vom jahrelangen Gelaber endloser Diskussionsrunden eingeschläfert wurde. Salamitaktik. Klappt immer wieder.

  2. Ich kenne diese Mauer-Region seit dem Mauerfall (vorher seit Jahren nur mit Blick von Osten auf die Mauer). Ich genoß oft, wie viele, den Mauerpark. Ich wünsche mir seine Park-Erweiterung. Und, da nicht vermeidbar, eine zurückhaltende, nicht bedrängende Bebauung. Auf keinen Fall ein solches „Neo-Neo-Klassizistisches“ Grusel von Baugeklotze. (Da grüßt die „Stalinallee“). Bitte aufgelockert und mutig MODERN. Platz für junge experimentierfreudige Architekten!
    Gruß aus Kühlungsborn, 17.2.2013,
    Wilfried Schröder, Bildhauer