Freunde des Mauerparks e.V.

Eine Befragung über das Verhältnis der Menschen im Brunnenviertel zum Mauerpark zeigt, dass dieser Ort für die meisten von ihnen kein blinder Fleck ist: Über 95% der Befragten kennen den Park, über vier Fünftel nutzen ihn und fast ebenso viele sind über ihn informiert. Die meisten Brunnenviertler wollen dort nur spazieren gehen, weniger als die Hälfte besucht den Flohmarkt. Es folgen “Sitzen/Liegen”, “Spiele/Sport”, “Feiern” und danach erst “Grillen” und “Karaoke” als Freizeitaktivitäten, wenn man sich im Mauerpark aufhält.

Natürlich finden die Brunnenviertler nicht alles am Mauerpark als für sie einladend: Dreck/Müll, Lärm, frei laufende Hunde, Trommeln, die Übernutzung und Alkohol/Drogen sind negative Merkmale, ohne die der Park liebenswerter wäre. Denn die Grünflächen, das kulturelle Angebot, Flohmarkt, Grillmöglichkeit, die Jugendfarm Moritzhof und ein Hundeauslauf (die einen stört er, die anderen finden ihn toll) sind die Anziehungspunkte des Mauerparks. Erstaunlich ist auch, dass es die Menschen aus dem Brunnenviertel in den Park zieht, obwohl es auf fast 700 Meter Länge außer an seinen Enden am Gleimtunnel und der Bernauerstraße für sie keinen Zugang gibt. Das ist eher zynisch: In der Befragung wird besonders der “Wegfall der Grenze” als symbolhaftes Ereignis hervorgehoben – und nun haben sie mit den Zäunen der Privatfläche der CA Immo eine neue Grenze. 


Zum Thema Mauerparkerweiterung und Bebauung haben die meisten Bewohner des Brunnenviertels eine Meinung. Sie wollen überwiegend eine Parkerweiterung, weil sie mehr Grünfläche und Platz für Erholung bieten würde. Einige bleiben skeptisch, weil sie sich wegen möglicher Ruhestörung der angrenzenden Häuser Sorge machen und befürchten, dass kein Geld für die Parkpflege vorhanden sei. Fast 60% befürworten eine schnelle Parkerweiterung, 20% wünschen sie zumindest mittelfristig und nur etwas über 10% lehnen die Parkerweiterung ab.

Politisch am interessantesten dürfte die Einstellung der Bewohner des Brunnenviertels zum Thema einer Randbebauung auf Weddinger Seite sein, wobei die Situation südlich und nördlich des Gleimtunnels getrennt zu sehen ist. Wenn entlang der Wolliner Str. eine gewerbliche Bebauung entstehen würde, so fänden das fast 55% der Befragten schlecht, 20% wäre es egal und etwa 25% fänden es gut. Die Befürworter einer Gewerbeansiedlung betonen vor allem das dann mögliche Entstehen zusätzlicher Arbeitsplätze, die Gegner der Bebauung wünschen mehr Grünfläche und finden, dass schon genug Gewerbefläche existiere und mehr Lärm und Verkehr die Folge wären.

Wenn es zu einer Wohnbebauung nördlich des Gleimtunnels käme, würden es 52% als schlecht sehen, 21% wäre es egal und 27% fänden es gut. Die Befürworter glauben, es sei anstatt eines ungepflegten Parks eine sinnvolle Entwicklung für das Brunnenviertels möglich, die Gegner der Wohnbebauung wünschen sich mehr Grünfläche und den Erhalt der Jugendfarm und befürchten bei einer Bebauung mehr Lärm und Verkehr.

Die ehrliche Bilanz zum Thema Bebauung sieht also eine im Norden und Süden des Gleimtunnels jeweils leichte Mehrheit, die sich dagegen , aber doch ein Viertel, das sich dafür ausspricht.

Die Befragung wurde vom Stadtviertelverein Brunnenviertel e.V. getragen. Beate Chudowa und Manja Ehweiner aus dem Brunnenviertel gilt besonderer Dank für ihren nicht nachlassenden Einsatz bei der Interviewdurchführung und Auswertung, nachdem das Befragungskonzept von Rainer Krüger entwickelt worden war. Es ist schade, dass nur knapp 90 Interviews realisierbar waren – die versprochene Mitwirkung weiterer Institutionen im Brunnenviertel gab es leider nicht. Auf eine gleichmäßige Verteilung der Interviews von der Bernauer Straße entlang des Parks bis über den Gleimtunnel hinweg wurde ebenso geachtet wie auf die Berücksichtigung wichtiger sozialstatistischer Merkmale einschließlich der Beteiligung von Bewohnern mit Migrationshintergrund. Ein Übergewicht weiblicher Interviewpartner ist hinnehmbar, bedauerlich aber ist , dass die Gruppe der Jugendlichen unter 20 Jahren nicht zum Zuge kam. Hier könnte eine zusätzliche Befragung sinnvoll sein (freiwillige Helfer gesucht!).

Dennoch geben die Ergebnisse eine repräsentatives Stimmungsbild wieder. Möge es der Versachlichung der Debatte um die Mauerparkerweiterung und bestehende Nutzungsprobleme dienen!