Bürgerwerkstatt legt aktuellen Planungsstand vor

von Rainer Krüger am 6. September 2011

Die Bürgerwerkstatt ist ein Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und engagierten Einzelpersonen von Pankower und Weddinger Seite. Sie arbeitet auf der Grundlage des Auftrags an die GrünBerlin GmbH, die Mauerparkerweiterung mit Unterstützung des Landschaftsarchitekten Prof. Gustav Lange zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Die Bürgerwerkstatt hat nach einem über einjährigem, kontinuierlichen Denk- und Arbeitsprozess ein beachtliches Ergebnis vorzuweisen. Die Bürgerwerkstatt erarbeitete dabei Lösungsvorschläge für die wichtigsten Fragen: Wie wird es möglich sein, einerseits den lebendigen Charakter des Mauerparks als attraktives Gelände für viele junge Menschen zu erhalten und weiter zu entwickeln? Und wie wird es andererseits möglich sein, im Zuge der Erweiterung der Parkfläche im Westen dem Prädikat “Anwohnerpark” gerecht zu werden?

Das ist die Grundfrage: Elftausend Menschen leben im Brunnenviertel, zum Teil direkt am zukünftigen Rand des Mauerparks. Für sie darf der große Park nicht nur Quelle von Lärm und Störung sein, sondern er soll auch “ihr Park” sein . Lässt sich diese Quadratur des Kreises lösen: großes Eventfeld einerseits und ansprechendes Parkambiente für benachbarte Bürgerinnen und Bürger andererseits?

Auf der Planskizze lässt sich plastisch zeigen, wie sich beide Interessenslagen zusammenführen lassen. Nach einem Gliederungsprinzip “laut – leise” lassen sich von Süd und Ost nach Nord und West vier Nutzungsbereiche definieren:

  • Als vorhandener Parkbestand auf Pankower Seite ein EVENTRAUM.
  • Im Südwesten des Parks ein FORUM im Zusammenspiel mit vorhandener Gastronomie und Flohmarkt.
  • Eine vermittelnde “LINIE DER UNGLEICHEN DINGE” von der Bernauer Straße bis zum Gleimtunnel führt von lauterer zu leiserer Nutzung.
  • Im Weddinger Nordwesten der Erweiterung liegen “ANEIGNUNGSFLÄCHEN” und ein “TEEHAUS”.

Die ACHSEN Schwedter Straße und alte Asphaltstraße von Nord nach Süd und in Ost-West-Richtung kreuzend die ACHSE Lortzingstr. – Max-Schmeling-Halle sowie die Parkenden am Gleimtunnel und der Bernauerstr. bilden ein Gerüst, das es den Nutzern  erlaubt, auch in “Rundwegen” laufend oder spazierend den Park zu erleben.

Der EVENTRAUM um den Eschenhain und das Amphitheater über die große Wiese bis zum Flohmarkt und den Lokalen soll seinen spontan-lebendigen Charakter erhalten.

Als Entree und zentraler kultureller Knoten wird im Südwesten des Parks die Idee eines FORUMs favorisiert. So wichtig feste Einrichtungen wie ein Infopavillon und Sanitäranlage sind, wird der Fokus darauf gelegt, spannende Kulturarbeit – dauerhaft oder temporär – zu ermöglichen. Das FORUM als Kombination aus überbauter und freier Fläche  kann ein soziokulturelles Zentrum ebenso beherbergen wie eine Geschichtswerkstatt. Aber auch spontane Aktivitäten wie zum Beispiel eine “Fähigkeitenbörse” oder eine “Freiluft-VHS” im Sommer hätten dort ihre Chance.

Die von dem die Planung begleitenden Landschaftsarchitketen Prof. Lange eingebrachte Idee der “LINIE DER UNGLEICHEN DINGE” kann  ein spannendes Parkelement werden. Hier lassen sich auf vielen kleinen Stationen ganz unterschiedliche selbst entwickelte Kleinkunstaktivitäten vorstellen, aber auch einige Grillstationen, improvisierte Cafe- und Teestübchen. Vom lauten Parksüden wird es Richtung Norden immer ruhiger und von Muße getragen.

Mit den ANEIGNUNGSFLÄCHEN im Nordwesten zwischen Lortzingstraße und Gleimtunnel eröffnen sich Perspektiven des “Selbermachens”. Westlich des Kreuzungspunkts Lortzinstraße – Max-Schmeling-Halle mit der Linie der ungleichen Dinge wird dieser Bereich durch ein TEEHAUS als Kontrapunkt zum quirligeren FORUM im Süden abgeschlossen. Das Teehaus ist eine Metapher für ruhigeren kontemplativen Aufenthalt im Mauerpark mit Sitzmöglichkeiten im Freien und unter Dach. Ob als Pavillon ebenerdig oder als Haus auf Stelzen oder von einem kleinen Pappelhain gesäumt, in jedem Fall soll es ein markanter Blickpunkt sein, einladend für Gäste und vor allem Anwohner, gerade auch solche mit Migrationshintergrund.

Zwischen dem Gleimtunnel als beschaulicher Ruhezone mit Blick auf Berlin und dem Teehaus bleibt Platz für eine vielleicht 1000m² große Fläche zu “bürgerschaftlichem Gärtnern”. An anderer Stelle sind ein “Spielgarten” und wechselnde Nutzungen wie ein Kinderzirkus zum Selbermachen denkbar. Bürgerinnen und Bürger, Singles, Familien und auch ältere Menschen sollen sollen sich heimisch fühlen und selbst gestalten dürfen.

Zur skizzierten Grundstruktur gehören begleitende Elemente. So soll “Geschichte erzählt” werden, die der Berlin trennenden Grenze und der Zeit davor, in der sich hier der große Güterbahnhof der Nordbahn befand. Offene Formen der künstlerischen Bearbeitung von Geschichte sind  ebenso spannend vorstellbar wie beständige Informationen und Diskurse im Forum.

Übergeordnetes Ziel der Mauerparkgestaltung bleiben seine stadtklimatische Funktion (Stichwort Kaltluftschneise) und die Eingliederung des Parks in das bezirksübergreifende “Grüne Band”.

Schließlich gehört zum Mauerpark eine den Besuchern, aber auch gewerblich-gastronomischen und kulturellen Akteueren dienende Basisinfrastruktur für Wasser und Strom. Vor allem sind ausreichende Standorte für Toiletten einzurichten. Selbst eine Grundausstattung “Erste Hilfe” und Benachrichtigungspunkte für Feuerwehr und Polizei sind zu organisieren.

Der vorliegende Planungsansatz wünscht sich den Mauerpark bis zum Gleimtunnel ohne Bebauung.  Denn was die verdichtete Stadt am meisten braucht, ist eine grüne Oase mittendrin.

Der Mauerpark wird nicht in einem Stück, sondern in Etappen zu seiner fertigen Form erweitert werden. Dieser offene Prozess, in dem sich viele der vorgeschlagenen Ideen konkretisieren, andere vielleicht  nicht realisieren lassen oder  neue Vorschläge ans Licht treten, muss weiterhin durch bürgerschaftliches Engagement begleitet werden! Die Bürgerwerkstatt wird dabei sein. Sie ist es gewohnt, an der Sache zu arbeiten.

Gefragt sind um so mehr Senat und Abgeordnetenhaus, in der nächsten Legislaturperiode endlich eine tragfähige Lösung zu finden, damit Erweiterung und Fertigstellung des Mauerparks Wirklichkeit werden.

Ergebnisbericht der Bürgerwerkstatt (PDF 800kB)
Planskizze (PDF 500kB)

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