Für den Mauerpark geht es nur miteinander

von Bernd Krüger am 15. Februar 2011

Ein Kommentar von Bernd Krüger

Am vergangenen Freitag wurde im Rahmen einer ganztägigen Jurysitzung des von der Vivico ausgelobten Wettbewerbs über die geplanten Wohn- und Gewerbebauten nördlich des Gleimtunnels und am Rand des südlichen Mauerparks entschieden. Die vier Abgesandten der Bürgerwerkstatt Mauerpark hatten sich der Aufgabe gestellt, die Qualität der acht Architektenentwürfe und deren Verträglichkeit mit dem vorhandenen Mauerpark und dessen Nachbarschaft zu beurteilen. Zuvor war aus der Bürgerwerkstatt in das laufende Wettbewerbsverfahren die Forderung nach weniger Baumasse, sozialverträglichen Wohnbauten und auf den Charakter des Mauerparks bezogenen, die Nachbarschaft von freier Schule, Flohmarkt  und Jugendfarm respektierenden Nutzungen eingeflossen. Da keiner der acht Entwürfe eine weitere Reduktion der von der Vivico vorausgesetzten Baumasse oder eine bessere Integration der Bauten in die Nachbarschaft erkennen ließ, beendeten die Delegierten ihre Teilnahme vor der Verkündung des Wettbewerbsergebnisses. In einer Sondersitzung der Bürgerwerkstatt am 21.2. wird diese Entwicklung zu diskutieren sein und mit einem Votum für die weitere Haltung versehen werden müssen.

Für die Freunde des Mauerparks stellt dieser Entschluss der Delegierten ein verantwortungsvolles Handeln dar, denn scheinbar war an einem planerischen Miteinander mit Rücksicht die Werte und Bedürfnisse der Nachbarschaft bei der Vivico keine Option denkbar. Aber selbst wenn dieser Wunsch an einen privaten Grundstückseigentümer zu idealistisch war, so scheint es  schwer in der umstrittenen Baumassen- und Baukörper-Frage ein Gefühl zu entwickeln, mit dem daraus entstehenden realen Bauwerken irgendwie leben zu können.

Trotzdem bewegt gerade uns, die sich seit vielen Jahren für die Bedürfnisse des Parks und seine Bevölkerung einsetzen: Wie kann es weitergehen und was sind die Alternativen?

Wir werden uns weiter einsetzen für eine, von einer großen Öffentlichkeit getragene (alle angrenzenden Bezirke, Berliner und Gäste), politische und finanzielle  Bedingungen berücksichtigende, klar mit einem realistischen Zeitplan unterlegte Lösung mit dem ganzen Mauerpark als Ziel im Zentrum! Und zwar nicht mit vagen Wunschvorstellungen und Versprechungen wechselnder politischer Koalitionen.

Wichtig ist eine undogmatische Diskussion über die maximal für den Mauerpark und die Nachbarn erträgliche Baumasse mit genauen Standorten von Gebäuden auf dem Gelände, bevor man riskieren darf, den bisher von Bürgerseite so konstruktiven Planungsprozess zu den Akten zu legen.

Ein kleiner Trost wäre vielleicht für manche, dass alles so bliebe wie bisher.  Aus Sicht der Freunde des Mauerparks wäre damit Probleme wie der Mangel an Freifläche und der bestehende Verwertungsdruck in der Nachbarschaft nicht nachhaltig gelöst.

Einen Gewinn jedenfalls hat ist die vom Bezirk Mitte und der Grün Berlin qualifizierte Bürgerwerkstatt und das darüber hinaus gehende Miteinander für den Mauerpark dennoch: Aktive Weddinger und Prenzlauer Berger Bürgerinnen und Bürger sind sich mit fröhlichem Mut und Tatendrang ein mächtiges Stück der Strecke zwischen Mauerparkzaun und Brunnenviertelgrenze näher gekommen!!!

Ein Kommentar to “Für den Mauerpark geht es nur miteinander”


  1. Dass Bernd Krüger die Bürgerwerkstatt so positiv darstellt, kann ich als Mitglied derselben nicht ganz nachvollziehen. Es haben sich dort durchaus neue Gräben aufgetan. Dazu kommt, dass viele, die sich schon seit langem für den Mauerpark einsetzen, zum Beispiel die Ini „Mauerpark Fertigstellen“ von dieser Werkstatt ausgeschlossen sind. (Soviel zum Thema „Es geht nur Miteinander“)
    Ich finde es wirklich „gefährlich“, dass diejenigen, die den Bebauungsplan selbst für das Problem halten, keine Plattform mehr haben. Vielleicht führt das zu neuen Protesten im Sommer, wie die große Demo im November 2009 (Bilder unter mauerpark-fertigstellen.de) – Und vielleicht sind dann auch die Freunde des Mauerparks wieder dabei.