Freunde des Mauerparks e.V.

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

ich lebe seit 1962 im Zentrum von Berlin. Mein Spielplatz der Kindheit waren Ruinen des 2. Weltkriegs und Baustellen. Ich erlebte den Wiederaufbau Berlins zu einem Industriestandort mit den negativen Randerscheinungen der Luftverschmutzungen. Jedoch entstanden auch viele Grünflächen parallel zum Wiederaufbau. Dort konnte man sich vom zunehmenden Großstadtstress erholen und als Kind Rodeln und Drachen steigen lassen.

Nach dem Mauerfall wurde die Industrieproduktion nach „Außen“ verlagert, in den Haushalten moderne Heizungen gegen Kohleöfen ausgetauscht, sodass die Luft reiner wurde. Immer mehr Spielplätze entstanden für die Kinder. Jedoch nahm auch der Autoverkehr erschreckend zu, Parkplätze machten sich auf Grünflächen breit, Staus sind tägliches Übel im Straßenverkehr. Der die Entwicklung zu einer großen europäischen Metropole begleitende Stress kam hinzu. Baulücken wurden und werden immer mehr zugebaut. Es ist sogar berlingefördert vorgesehen, geplante Parkanlagen mit Wohnhäusern zu bebauen und Friedhöfe stillzulegen und durch Wohn-/ Bürosiedlungen zu ersetzen.

Dass in den dicht besiedelten Wohnanlagen der Stadt Solidargemeinschaften wie „Garten Rosa Rose“ entstehen, ist gerade im Großstadtleben mit seinem einhergehenden Individualismus ein gutes Zeichen. Die Anwohner verlassen hier nämlich das Feld der sozialen Anonymität des Großstadtdaseins, um eigenständig Grün zu schaffen. Das zeigt deutlich, wie wichtig den Stadtbewohnern jedes Stück geschützte Natur geworden ist.

Als Mitglied der Freunde des Mauerparks e.V. sehe ich wie für unseren Mauerpark in Wedding/Prenzlauer Berg auch für den „Garten Rosa Rose“ keine andere Alternative, als die Begrünung bzw. deren Erhaltung. Jeder zusätzliche Hochbau senkt die Lebensqualität der Stadt. Er versperrt Berlin die historische Chance, nicht die gleichen Fehler zu wiederholen, die früher in anderen Großstädten bei ihrer Entwicklung zur Metropole zum so genannten Großstadtkollaps führten.

Berlin braucht keine Wohnungen und Büros mehr! Berlin braucht mehr Grün!

Sehr geehrter Herr Kreutzer, ich bitte Sie: Lassen Sie den Aktivisten der „Rosa Rose“ ihre grüne Oase in der „Häuserwüste“ als kleinen, aber wichtigen Strohalm für ein erträgliches Leben in der Großstadt!

Mit freundlichen Grüßen
Bodo Schliefke