BVV stimmte für den Gleimsteg

von Bodo Schliefke am 21. Juli 2007

Die BVV stimmte für den Gleimsteg, (lokal-)politische Unterstützung ist uns also sicher.

Nun werden wir genau beobachten, wie die verantwortlichen Politiker mit den Entscheidungen umgehen, verstärkt mit Ihnen kommunizieren und da, wo wir können, unsere Unterstützung anbieten.

Matthias Stelz reagierte bereits, und schrieb dem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als Antwort auf dessen Brief an Wolfgang Thierse und Hans Eichel.

Sehr geehrter Herr Steinbrück,

zunächst möchten wir uns bei Ihnen für Ihr o. g. Schreiben bedanken, eine Antwort aus Ihrem Ministerium, in dem Sie als Finanzminister und oberste Instanz die Bundesrepublik Deutschland als Grundstückseigentümer repräsentieren, reflektiert sowohl das vorhandene Bewusstsein in Ihrem Hause über die besondere, historische Bedeutung der “Begegnungsstätte Mauerpark“, als auch Ihr Interesse für die Belange und das Wohl der Bürger.

Der ehemalige Todesstreifen, der Berlin, Deutschland, Europa und die Welt Jahrzehnte lang in zwei Teile trennte und zahlreiche Opfer forderte, ist heute im Bereich des so genannten Mauerparks ein Ort der Begegnung wo sich Menschen verschiedenster Nationen friedlich begegnen und gemeinsam erholen.

Quer zum Mauerpark verläuft der denkmalgeschützte Gleimtunnel1, seit dem Fall der Mauer verbindet er wieder den Wedding mit Prenzlauerberg für den stark frequentierten Straßenverkehr, gleichzeitig überqueren ihn schwere LKW ´s im oberen Gewerbegebiet parallel zum Mauerpark. Im Rahmen der Fertigstellung des Mauerparks, gilt es nun die seit langem verhinderte Nord- / Süd – Verbindung im oberen Mauerpark, über den Gleimtunnel hinweg, als Fuß- und Radweg wieder herzustellen, um den Park auf ganzer Länge und ohne Unterbrechung für die Besucher nutzen zu können. Hierzu wurde von dem Architekten Matthias Stelz gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Sarrar das Konzept des Brückenstegs entwickelt.

Der Steg ist in leichter Stahl-Holzbauweise konstruiert und kann sowohl auf der vorhandenen Betondecke, als auch auf der ursprünglichen Eisenträgerkonstruktion des Gleimtunnels auf Stelzen, ähnlich einem Bootssteg aufgelagert werden. Zur Deckung der Kosten wurden Projektfördermitteln aus dem Programm “Soziale Stadt“ für das Quartier Gleimviertel beantragt und durch den Vergabebeirat mit Votum vom 14.02.07 vor geraumer Zeit bewilligt. Der Bund und das Land Berlin müssen keinen Cent dazubezahlen! Der Einsatz der Mittel ist jedoch abhängig von der Duldung der Überquerung des Gleimtunnels, die es als letzte Hürde von dem Eigentümer, der Bundesrepublik Deutschland, über dessen zuständige Vermögensverwaltung der BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), zu erwirken gilt. Von Ihrer Seite wurden nun grundsätzliche Bedenken bezüglich der Verkehrssicherheit des Gleimtunnels geäußert.

Gemäß unabhängigem statischem Gutachten vom April 1993 ist die Eisenträgerkonstruktion des Gleimtunnels, als zusammenhängendes Tragsystem, ausschließlich als Ganzes wirksam und wäre bei Beschädigung oder Baufälligkeit in ihrer gesamten Tragfähigkeit beeinträchtigt, vergleichbar mit einem Schiffskörper dessen Heck ebenfalls versinkt, obwohl zunächst das Bug Leckgeschlagen hat, das Schiff also vollständig untergeht gleichgültig wo sich das Leck am Boot befindet. Somit lässt sich die Standsicherheit des Gleimtunnels nicht entsprechend seiner Besitzverhältnisse unterteilen; wäre also seine Verkehrssicherheit anzuzweifeln, gälte dieses unumgänglich für das gesamte Bauwerk.

Zweifelsohne ist der Gleimtunnel wie auch im o. g. Gutachten beschrieben nach wie vor sanierungsbedürftig, von einer Gefahr für die Verkehrssicherheit ist jedoch nicht auszugehen, wie es sich auch an der Haltung aller für das Bauwerk Verantwortlichen Grundstückseigentümer und Baulastenträger, die VIVICO / Deutsche Bahn, BIMA / Bundesrepublik Deutschland, das Straßenbauamt sowie Brückenbauamt des Landes Berlin und sonstige beteiligten Ämter und Behörden erkennen lässt, die bisher keine Maßnahmen zur Instandsetzung oder gar Sperrung der Verkehrswege über und unter dem Gleimtunnel getroffen haben. Entsprechend der gesetzlichen Sicherheitsanforderungen in Deutschland wäre es unvorstellbar, das alle Verantwortlichen Ihren Verpflichtungen zu wieder handeln würden und somit die Sicherheit der Bürger auf das Sträflichste gefährdeten. Dem hingegen steht der in Ihrem Brief beschriebene Zustand des Gleimtunnels “… Das Mauerwerk des Brückenbauwerks ist durchfeuchtet und bröckelt …“ in unvereinbarem Gegensatz zu Ihrer “… als Grundstückseigentümer in obliegenden Verkehrssicherungspflicht …“ und käme einer Selbstanzeige gleich die eine sofortige Sperrung des Gleimtunnels zur Folge hätte, mit all ihren Konsequenzen.

Besonders der von der BIMA errichtete Zaun auf dem Gleimtunnel ist in dieser Hinsicht als zweifelhafte und unverständliche Maßnahme zu werten, durch die weder der bauliche Zustand verbessert, noch die Sicherheit zur Durchquerung des Tunnels vor herab fallenden Steinen gewehrt wird. Steine fallen bekanntlich, den Gesetzen der Schwerkraft entsprechend, nach unten!

Sollte also tatsächlich die Verkehrssicherheit aufgrund “bröckelnden Mauerwerks“ gefährdet sein und somit unmittelbar Gefahr in Verzug bestehen, müssten zu allererst Bürgersteig, Radweg und Straße, die durch den Tunnel führen, geschützt werden. Der geplante Brückensteg bliebe davon jedoch unberührt, zumal dessen maximale Verkehrslast weit unterhalb der Eigenlasten des Tunnels und vor allem der durch den überquerenden LKW-Verkehr auftretenden Schwerlasten läge. Der Steg ist keine Gefahr für die Verkehrssicherheit des Tunnels, sondern Garant für zusätzliche Sicherheit.

Im Sinne der historischen Bedeutung dieses Ortes sowie der vielen Besucher aus aller Welt und nicht zuletzt auf Grund des unablässigen, gemeinsamen Engagements der Anwohner und ihrer politischen Vertreter (Die Bezirksverordneten aller Fraktionen des Stadtbezirks Pankow von Berlin) als beispielhaftes Vorbild demokratischer Kultur in Deutschland, appellieren wir nun an Sie, einen Bruchteil der bisher gespendeten Kraft aufzubringen und durch Ihre Zustimmung unser Vorhaben, dessen Finanzierung sowie technischen und gestalterischen Ausführungen bereits erfüllt sind, zum Erfolg zu führen. Ihr Votum ließe die bisherige Blockadehaltung Ihrer untergeordneten Behörde einem politischen, auf Nachhaltigkeit orientierten Handeln weichen, indem Ihr Entgegenkommen gegenüber dem Senat des Landes Berlin weitaus stärkere Impulse für eine zukünftige Lösung der Besitz- und Verantwortungsverhältnisse des Gleimtunnels auszulösen vermöge, als die bisherige kurzsichtige Handlungsweise beider Parteien.

Für Ihre kurzfristige Rückantwort sind wir Ihnen mit Dank verbunden.

Hochachtungsvoll,

Matthias Bernhard Stelz
Dipl.-Ing. Architektur
Mitglied der Freunde des Mauerparks e.V.

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