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Folkwiese

Im Mauerpark in Prenzlauer Berg trifft man sich freitags zum Wiesenfolk

Folkwiese

Was die improvisierten, spontanen Künste betrifft, da ist man vom Mauerpark in Prenzlauer Berg einiges gewohnt. Trommlergruppen, Keulenjongleure und Feuerspucker treffen dort aufeinander, wo einst die Grenze zwischen Ost und West verlief. In diesem Sommer kommt eine Tanzveranstaltung hinzu. Die Teilnehmer schwingen nicht etwa zu Salsa und Tango die Hüften, wie beispielsweise an der Museumsinsel in Mitte. Nein, sie formieren sich im Kreis oder paarweise zu traditionellen Volkstänzen aus aller Herren Länder. Weil sich die Veranstalter um Bodo Schliefke immer freitags auf einem Stück Wiese nahe dem Gleimtunnel treffen, nennen sie ihr Projekt Wiesenfolk. Bodo Schliefke arbeitet unter der Woche in Hamburg, er kommt aber jedes Wochenende nach Berlin, in seine Heimatstadt. “Dann starte ich mit dem Wiesenfolk ins Wochenende, darauf freue ich mich jedes Mal”, sagt er.

Die Klänge, die den kopfsteingepflasterten Weg im Park hinunterhallen, erinnern hin und wieder an Emir Kusturicas Burleske “Schwarze Katze, Weißer Kater”. Doch kommen die Lieder, die Hobbymusiker auf Oboe, Dudelsack und Kontrabass zum Besten geben, neben Osteuropa auch aus dem Bretonischen, Schottischen, Deutschen, Türkischen oder Israelischen. “Die Musik soll verbinden und den Mauerpark kulturell beleben”, sagt Schliefke, der im Vorstand des Vereins “Freunde des Mauerparks” aktiv ist. Beim Wiesenfolk musiziert er auch, spielt Akkordeon und Gitarre. Jeder sei willkommen, ob nun zum Tanzen, Musik machen oder einfach nur zum Zuhören. “Der Wiesenfolk ist ein multikultureller Treffpunkt, hier kann man sich vom stressigen Alltag erholen.”

Tatsächlich zieht das Spektakel, das seit dem 7. April wöchentlich stattfindet, viele Schaulustige an – auch wenn es inzwischen wieder etwas kühler ist. “Ich kam zufällig vorbei und fand die Musik schön”, sagt eine 34-Jährige, die vor vier Jahren aus Israel nach Prenzlauer Berg kam und nun mit ihrer besten Freundin auf der Wiese sitzt. “Aber tanzen werde ich sicher nicht.” Dabei gibt es Tanzlehrer, die die Schrittfolgen vormachen. Sie haben Volkshochschulkurse besucht oder das Tanzen auf Folk-Festivals gelernt. So wie Andrea Hartung, die bei bretonischen Tänzen ins Schwärmen gerät. “Mich faszinieren die Körpersprache und die Signale, die man beim Tanzen aussenden kann”, sagt sie. Das Führen und Folgen, die Rolle von Mann und Frau, das sieht sie nicht so starr. “Wir durchbrechen diese traditionellen Muster schon mal.”

Das geht auch gar nicht anders, wenn wie des öfteren die Frauen eindeutig in der Überzahl sind. Und so tanzt die 20-jährige Sylvia Nick auch mal mit ihrer Mutter Sigrid Nick. Die 50-jährige Pankowerin kennt Bodo Schliefke noch aus Schulzeiten. Beim Klassentreffen erzählte er ihr vom Wiesenfolk und nun will sie öfter kommen. “Ich bin ein bisschen aus der Puste, aber es macht Spaß”, sagt sie in der Pause zwischen italienischer Tarantella und serbischer Biserka. “Manchmal bin ich mit den Schritten durcheinander gekommen, aber sonst bin ich zufrieden.”

Man stolpert hin und wieder über die eigenen Füße und hat von Bekannten vom Tanz auf der Wiese gehört – so funktioniert der Wiesenfolk. Tanzlehrer und Musiker kennen sich, Neuankömmlinge werden herzlich begrüßt, bekommen Weißwein oder Wasser “zum Selbstkostenpreis”, wie Bodo Schliefke es nennt. So lang es abends noch länger hell und nicht zu kalt ist, wird der Wiesenfolk weitergehen, bis Oktober bestimmt, sagt Schliefke. Auch im nächsten Sommer soll wieder getanzt werden, wünscht sich der Veranstalter: “Der Wiesenfolk soll eine feste Instanz im Mauerpark werden.”

Text: Anne Vorbringer, Berliner Zeitung, (08.08.2006)

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von Mauerpark Redaktion


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