Archiv für die Kategorie 'Bürgerwerkstatt'

Ist Glas das halb voll oder halb leer?

Montag, 17. September 2012 um 18:00

Mit welchen Nachteilen eine bebauungsfreie Parkerweiterung erkauft werden würde – und was dagegen zu tun ist!

Nach der BVV Mitte Sitzung am 13.09.2012 ist klar: Man will tatsächlich einen Städtebaulichen Vertrag zwischen CA Immo, Senat und Bezirk zur Grundlage eines Bebauungsplanverfahrens machen. Wie man sich danach die einzelnen Nutzungen und Besitzverhältnisse vorzustellen hat, zeigt die folgende Skizze:

Zunächst ist es ein großer Erfolg, wenn nach jahrelangem Bemühen der Bürgerinitiativen das gesamte Erweiterungsareal von der Bernauer Strasse bis zum Gleimtunnel ein bebauungsfreier Park einschließlich Flohmarkt, Mauersegler, Schönwetter und Blumenhandel sein kann. Der Eisengitterzaun zum Brunnenviertel fällt, damit die Brunnenviertler endlich direkt über die Lortzingstrasse „ihren Park“ erreichen können. Und die Tatsache, dass es keine Zufahrt zum neuen Wohngebiet über die Pankower Seite geben wird, sollte aufgeregte Gemüter dort beruhigen.

Der Preis jedoch, der für diese Parkerweiterung zu zahlen ist, ist hoch – vielleicht zu hoch?

  • nördlich des Gleimtunnels sollen 600 Wohnungen auf einem Baufeld entstehen, dass bis zur Pankower Grenze reicht, das mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 1,7 das zulässige Maß für ein allgemeines Wohngebiet überschreitet und eine angemessene Breite für das „Grüne Band Berlin “ vermissen lässt.
  • Die Parkerweiterung im Süden um 4,8 ha soll in zwei Schritten geschehen: 2 ha bei Unterschrift unter den Städtebaulichen Vertrag vor Ende 2012 und erst in 2014 der größere Rest nach Verabschiedung eines zum jetzigen Vertrags deckungsgleich beschlossenen Bebauungsplans.
  • Der Städtebauliche Vertrag in dieser Form ist juristisch wahrscheinlich anfechtbar und zieht im Falle seiner Umsetzung in einen Bebauungsplan enorme Regressforderungen der CA Immo (und die Rückabwicklung des dann schon gestalteten Teils der Mauerparkerweiterung) nach sich.

Eine Alternative wäre – und so argumentiert die Weltbürgerpark-Stiftung: Wenn das Land nicht die gesamte Fläche bis Gesundbrunnen aufkauft und ein durchgehender Park entsteht, solle man lieber weitere zehn oder mehr Jahre warten. Die Konsequenzen sind nicht akzeptabel: die Menschen im Brunnenviertel bleiben vom Park ausgesperrt, die CA Immo wird aus nachvollziehbarem ökonomischem Kalkül ein großes Gewerbegebiet entlang des Brunnenviertels über langfristige Mietverträge entstehen lassen.

Also bleibt nur ein dritter Weg. Die genannten Pferdefüße des Vertrags müssen weiter mit politischem Elan bekämpft werden. Dafür sind Lösungsansätze gefragt:

  1. Das Land soll sich – im noch in 2012 zu verabschiedenden Nachtragshaushalt – dazu durchringen, wenigstens die südliche Erweiterungsfläche anzukaufen, davon 2 ha zur Bernauerstraße hin den Gewerbetreibenden zur langfristigen Pacht geben und knapp 5 ha zum Park werden zu lassen (siehe hierzu auch den Artikel: „Risikoreicher Vertrag nein – Parkflächenankauf ja!“)
  2. Erhält die CA Immo im Süden einen Kaufpreis, muss im Norden nicht mehr eine Massivbebauung entstehen. 300 bis 400 Wohnungen lassen Rechtssicherheit durch Einhaltung der 1,2 GFZ zu und Richtung Pankow einen bebauungsfreien Saum für das „Grüne Band“ sowie einen größeren Abstand zur Jugendfarm Moritzhof.
  3. Da Berlin auch innerhalb des S-Bahnrings zusätzlichen Wohnraum braucht, ist es sinnvoll, ein zusätzliches Wohnquartier entstehen zu lassen. Nur soll es sozialverträglich und sozial durchmischt sein und langfristig bezahlbare Mieten bieten. Das ist zu erreichen, wenn dafür gesorgt wird, dass vornehmlich Genossenschaften und Landeswohnungsbaugesellschaften zum Zuge kommen. Diese Kriterien sowie ökologisch hohe Standards und sogar als autofreies Quartier (man denke an das leerstehende Parkhaus am Gleimtunnel) könnten eine solches Wohnquartier zu einem Vorzeigeprojekt einer IBA 2020 werden lassen.
  4. Die Erweiterungsfläche südlich des Gleimtunnels soll in einem Stück und sofort zum Park werden können. Da dieser Parkteil nach den Vorstellungen der Bürgerwerkstatt keine Verdopplung der bisweilen lauten Eventzone der Pankower Seite sein soll, sondern vor allem auch den Anwohnern „gehören“ soll, wird die Bevölkerung gern bereit sein, mit Spaten und Spenden selbst das Areal umzugestalten. Hier kann sogar einmal Geld gespart werden, also weniger als die geplanten 3,5 Mio.€ ausgegeben werden.
  5. Die bisher erfolgreiche Bürgerbeteiligung vor allem als Planungswerkstatt sollte erhalten und weiter entwickelt werden. Denn jetzt kommt es darauf an, nicht nur zu protestieren, sondern auch Köpfe und Hände vieler Bürger für eine nachhaltige Parkentwicklung zu aktivieren.

Das Land Berlin sollte sich dem Mauerpark endlich verpflichtet fühlen: Flächenankauf für die Parkerweiterung, ein mutiges Beispiel für bezahlbaren und qualititativ anspruchsvollen Wohnraum, Respekt vor der Geschichte des ehemaligen Grenzstreifens und ein ehrliches Ohr für die Menschen beiderseits des Mauerparks müssen zusammen kommen. Dann hat sich Berlin für seinen Mauerpark engagiert!

von Rainer Krüger

Die umstrittene Entscheidung der BVV-Mitte

Montag, 17. September 2012 um 15:00

Warum ist die Sitzung der BVV Mitte zur Entscheidung für die Aufstellung eines Bebaungsplanes „Mauerpark“ so wichtig und umstritten?

Der ausschlaggebende Grund und Anlaß für diesen notwendigen Bebauungsplan (auch notwendig wenn es um Festlegung von „Grünanlagen“ geht) ist die Fertigstellung des Mauerparks auf der seit 1992 dafür vorgesehenen Fläche im Bezirk Mitte. Das dieser Bebauungsplan auch Bauflächen ausweisen muß ist dem Umstand geschuldet, das der Eigentümer, die CA Immo AG, keine Teilflächen der insgesamt ca. 12 ha an das Land Berlin verkaufen wollte, selbst wenn das Land eine ordentliche Summe (ca. 5-6 Millionen Euro für die benötigte Teilfläche) in die Hand genommen hätte. Die Ca Immo verlangte immer die Koppelung „Grundstücksabtretung gegen Baurecht”.

Vor 13 Jahren, als die Fläche noch der Vivico gehörte, die bis 2008 hundertprozentige Tochterfirma des Bundes war gab es von Seiten des Senats kein Interesse mehr an einer Park-Fertigstellung. Der Bezirk Mitte stellte ca. 2001 einen Bereichsentwicklungsplan auf, der auf dieser Fläche überwiegend Wohnbebauung möglich machen sollte. Die Park-Fertigstellung hatte für den damaligen Bezirk Wedding ebenfalls keine Bedeutung. 2005 gab es dann einen ersten Bebauungsplan mit einem sehr hohen Anteil an Wohnbebauung und nur 2 ha Park-Fertigstellungsfläche. Dagegen wehrte sich erfolgreich auf politischer Ebene die Anwohnerschaft der umliegenden Stadtteile. Bis in das Jahr 2008 hinein stand von Seiten des Eigentümers Vivico, des Bezirks Mitte und der Senatsverwaltung immer die Herstellung eines Baugebietes im Vordergrund verbunden mit einem kleinen grünen Anteil zur Fertigstellung des Mauerparks.

Wichtig zum Verständnis der Bedeutung des Aufstellungsbeschlusses ist es, dass es nun endlich darum geht, den Mauerpark auf seiner vollen Größe von 13 ha herzustellen plus zwei Hektar für Marktnutzung. Die Herstellung von Baumasse ist auf eine verhältnismäßig kleine Fläche geschrumpft.

Der Diskussionsprozess und die Einflußnahme der aktiven Initiativen auf die politischen Entscheidungsträger im Lauf der letzen 3 Jahre und der damit auch von den Eigentümern nicht mehr abzulehnende Plan war dafür der Schlüssel. Nicht erreicht werden konnte auf diesem Wege der Kauf und die Umwandlung der gesamten 12 ha Gewerbefläche in Parkfläche wie es von Seiten einiger Initiativen gefordert wurde. Vor fünf Jahren hätte das Thema des Wohnungsbaus noch keine Partei hinter dem Ofen hervorgelockt. Heute wird es fast als parteipolitischer Fehler verteidigt, wenn man nicht für planungsrechtliche Schaffung von Bauland eintritt. Für den Ausgleich der Interessen von Bauland und Freiraum dient also der Mauerpark-Bebauungsplan.

weiter lesen …

von Bernd Krüger
Kommentare sind derzeit nicht möglich

Mauerpark-Politik: Stillstand oder Meilenstein?

Mittwoch, 12. September 2012 um 18:50

Hinter uns liegen Jahre des Streits, der endlosen Verhandlungen und Jahre der Ungewissheit über die Zukunft des Mauerparks. Der Mauerpark ist augenscheinlich übernutzt und zertrampelt. Er platzt am Wochenende aus allen Nähten und muss endlich erweitert werden. Doch die Besucher und Anwohner stehen seit Jahren vor einer Brache, verriegelt und abgesperrt: Privateigentum, betreten verboten.

Auch wenn manchmal der Frust tief sitzt, wir haben in den letzten Jahren viel bewegen können. Aus einer geplanten Wand von Townhouses, über die gesamte Länge des Mauerparks, wurde in mühevollen und jahrelangen Verhandlungsschritten eine Perspektive:

5 Hektar mehr Park und 2 Hektar Zukunft für die von vielen geliebten Institutionen wie z.B. den Mauersegler und Flohmarkt. Auch das Baufeld im Süden mit Hotel auf dem Eckspielplatz ist vom Tisch. So wurden verschiedene Forderungen der Bürger vom Eigentümer schon akzeptiert.

Dennoch hat der “Mauerpark-Vertrag” in seiner bisherigen Fassung folgenschwere Fallstricke: 58.000 Quadratmeter BGF für 600 Wohnungen nördlich des Gleimtunnels sind städtebaulich nicht sinnvoll und technisch kaum realisierbar. Die scheibchenweise Grünflächenfreigabe im Süden – zwei Hektar bei Abschluss des Städtebaulichen Vertrags und drei Hektar erst nach gewährtem Baurecht – ist aus Sicht der Bürger nichts anderes als Erpressung: Erst nachdem dem Investor per Baurecht satte Gewinne beschert wurden, dürfen die Bürger die Grünfläche betreten.

Dabei gibt es längst eine Möglichkeit, die Mauerpark-Fertigstellung auf solide Beine zu stellen. Der Ankauf der Flächen kostet dem Land Berlin kaum mehr, als die im “Mauerpark-Vertrag” vereinbarten Kosten. Der direkte Ankauf ist vor allem weitaus günstiger als die Ersatzforderungen der CA Immo, die durch den fehlerhaften Vertrag für das Land womöglich entstehenden und den Kaufpreis um ein vielfaches übersteigen würden.

Wir Berliner benötigen keinen schlüsselfertigen Park – für die Fertigstellung greifen wir auch selbst zum Spaten und zum Scheckbuch. Was wir Berliner wirklich brauchen, ist der politischen Wille unserer Volksvertreter und Verwaltungen, für das Engagement ihrer Bürger den nötigen Rahmen zu schaffen.

Der Mauerpark ist Symbol für das lebendige Berlin und sollte Meilenstein für Bürgerbeteiligung werden!

Weitere Infos: Stellungnahme zum „Mauerpark-Vertrag“ (PDF 145 kB)

von Alexander Puell

Bündnis fordert Transparenz und Bürgerbeteiligung

Mittwoch, 22. August 2012 um 13:57

Vor dem Hintergrund der aktuellen Planungen des Bezirksamtes Mitte und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zum Mauerpark, hat sich am 15.08.2012 das bezirksübergreifende „Bündnis für den Mauerpark“ gegründet, das sich aus BVV-Fraktionen, Parteien und Initiativen der Bürgerschaft der Bezirke Mitte und Pankow zusammensetzt.

Um auf der Grundlage eines breiten gesellschaftlichen Konsenses eine größtmögliche Erweiterung des Mauerparks zu ermöglichen, bei der die Interessen der Bürgerschaft berücksichtigt werden, fordert das Bündnis:

  1. Aufhebung des Bezirksamtsbeschlusses „Beschluss über die nächsten Schritte für den Mauerpark“ vom 26.06.2012
  2. Ablehnung des Antrages des Ausschusses Soziale Stadt, QM, Verkehr und Grünflächen (Drucksache 0397/IV) in der Bezirksverordnetenversammlung am 23.08.2012
  3. Offenlegung des Entwurfes des Städtebaulichen Vertrages und Beteiligung des Bezirksamtes Pankow und der Bezirksverordnetenversammlungen Mitte und Pankow an der Vertragsgestaltung
  4. Abschluss eines Städtebaulichen Vertrages erst auf Grundlage und im Ergebnis eines Bebauungsplanverfahrens
  5. Berücksichtigung der bisherigen Bürgerbeteiligung
  6. Durchführung einer erneuten frühzeitigen Bürgerbeteiligung nach Änderung der bisherigen Bebauungsplanziele. Die formalen Beteiligungsformen im Bebauungsplanverfahren sind dabei um eine gestaltende Bürgerbeteiligung zu ergänzen.

Zur Gewährleistung der Herstellung eines breiten politischen und bürgerschaftlichen Konsenses für eine größtmögliche Mauerparkerweiterung, appelliert das Bündnis an die Allianz Umweltstiftung, die hierfür erforderlichen zeitlichen Voraussetzungen ggf. auch über das Jahresende 2012 hinaus zu gewähren. Der derzeit angesetzte Zeitplan kann zu kostspieligen Planungsfehlern und hohen Schadensersatzforderungen führen.

Pressemitteilung: „Bündnis für den Mauerpark“ (PDF 75kB)

von Mauerpark Redaktion
Kommentare sind derzeit nicht möglich

Breiter Protest vor und in der BVV Berlin-Mitte

Dienstag, 21. August 2012 um 20:09

In der BVV-Sitzung am 23.8.2012 wird in einer Thematischen Stunde über die Fertigstellung des Mauerparks beraten.

Die Freunde des Mauerparks e.V. fordern gemeinsam mit einem Bündnis von Parteien und Initiativen die Aufhebung des BA-Beschlusses vom 26.06.2012. Der Bezirk Mitte darf sich nicht zum Handlanger eines bedenklichen Geschäfts zwischen einem privaten Eigner und dem Senat machen. Nur auf Grundlage des BVV-Beschlusses vom 19.4. ist eine größtmögliche Erweiterung des Mauerparks ohne massive Bebauung im Norden und mit einer breiten Mehrheit möglich.

Zeigt den Bezirksverordneten euer leidenschaftliches Interesse am Mauerpark. Kommt zur Kundgebung und verfolgt die öffentlich BVV-Sitzung. Wir lassen uns von Stadtrat Spallek und Staatssekretär Gaebler den Mauerpark nicht zumauern.

Weitere Infos: Website der BVV-Mitte
Plakat: Welt-Bürger-Park e.V.
Pressemitteilung: „Bündnis für den Mauerpark“ (PDF 75kB)

von Mauerpark Redaktion
Kommentare sind derzeit nicht möglich

Fertigstellung: Mit Brechstange statt Vernunft

Samstag, 30. Juni 2012 um 13:00

Volle Nordbebauung ohne Landesmittel für den Mauerpark

Es ist nichts so arg, als dass es nicht noch ärger kommen kann. So geschehen mit dem Coup, den sich die Bezirksstadträte von Berlin Mitte klammheimlich letzten Dienstag (26. Juni) geleistet haben. Der erste Überraschungsangriff datierte vom 13. Juni. Da hatten die Fraktionen von SPD und CDU in der Sitzung des Ausschusses „Soziale Stadt“ in einem Dringlichkeitsantrag den mit breiter Mehrheit gefundenen Kompromiss der BVV ausgehebelt. Dieser sah einen bebauungsfeien Süden und eine moderate Bebauung im Norden nur auf „Teilflächen“ vor.

Als der neue Dringlichkeitsantrag, jetzt mit einer Vollbebauung mit 600 Wohneinheiten und 58.000m² Bruttogeschossfläche, in der BVV Sitzung am 14. Juni wegen des Sitzungsendes um 23:00 nicht mehr durchzubringen war, war guter Rat teuer.

Die Lösung haben die Bezirksstadträte schnell gefunden. Warum überhaupt unser Parlament beteiligen, das können wir doch selber? Wir als Bezirksstadträte beschließen die Ausarbeitung eines städtebaulichen Vertrags wie im Dringlichkeitsantrag vorgesehen. Wir Bezirksstadträte wollen auch, dass der Bebauungsplanentwurf 1-64 nach diesen Nutzungsvorgaben weiter geführt wird.

Was so selbstverständlich erscheint und formal möglicherweise getan werden konnte, ist unter demokratischen Spielregeln ein Skandal. Erst wird ein mit breiten politischen Mehrheiten in Mitte und Pankow sowie der Akzeptanz von Bürgerwerkstatt und „Freunden des Mauerparks“ gefundener vernünftiger Kompromiss nach wenigen Wochen wieder kassiert. Dann soll wenigstens noch das aufgeblähte Bebauungskonzept im Norden von den Parlamentariern abgesegnet werden. Als das nicht vor der Sommerpause klappt, schiebt man ohne jegliche parlamentarische Befassung und Bürgerinformation den Beschluss seitens des Bezirksamts durchs Sommerloch.

Wem nützt dieser Coup? Sicher der CA Immo, die durch die massive Bebauung im Norden ihre Maximalrendite erreichen will. Genauso aber dem Senat von Berlin. Denn das sickert immer stärker durch. Das Statement von Staatssekretär Christian Gaebler stellt sich als Bluff heraus. Es hieß:“ Wir werden den Mauerpark um 5 Hektar Fläche erweitern“…Die zusätzliche Fläche werde das Land vom Grundstückseigentümer CA Immo aus Wien ankaufen (Berliner Zeitung vom 26. April 2012). Die Wahrheit ist, dass diese Flächen dem Land Berlin kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, wenn eine Einigung über das vom Eigentümer im Norden gewollte Bauvolumen erreicht wird. Die immer gleiche Melodie erklingt: Dem Senat ist der Mauerpark keinen Cent wert.

So lässt sich der Bezirk Mitte zum Handlanger eines bedenklichen Geschäfts zwischen einem privaten Eigner und dem Staat machen. Und: eine massive Bebauung rückt direkt an den Bezirk Pankow und seine Interessen heran. Wie soll eine Zuwegung zu einem riesigen Baufeld führen, wenn nicht doch über das Gleimviertel? Wie kann man ohne rechtliche Skrupel Baurecht für ein im Flächennutzungsplan Berlin als Grünfläche ausgewiesenes Areal schaffen, wenn man diese vollständig bebaut?
Und wie muss der „Bürgerwerkstatt Mauerpark Fertigstellen“ zumute sein? Sie soll den weiteren Planungsprozess im Süden begleiten, nachdem man ihre Vorgaben und Positionen zur von ihr nicht gewollten Vollbebauung im Norden nonchalant übergangen hat. Nimmt man so Bürgerbeteiligung ernst?

Klar ist: Bei den rapide gestiegenen Grundstückspreisen und dem Verwertungsnutzen, den die CA Immo als Flächenentwickler erwirtschaften kann, könnte sie auch mit einer moderateren Bebauung hoch zufrieden sein. Und wenn der Senat wenigstens wie versprochen etwas Geld für einen Teilflächenankauf im Süden in die Hand nähme, wäre es das I-Tüpfelchen an Gewinnerwartung für den Grundstückseigentümer.

Senat, bewege Dich zugunsten des Mauerparks! Bezirk Mitte, rudere zurück zum Kompromiss vom 17. April! Verstrickt Euch nicht in juristisch anfechtbare Schnellschüsse.

Die Freunde des Mauerparks setzen sich auf der Basis des BVV Mitte Kompromisses vom 17. April für eine unverzügliche Weiterführung der Planungsarbeit zur Parkerweiterung ein und wollen daran mitwirken. Dies darf aber nicht um den Preis einer Maximalbebauung nördlich des Gleimtunnels erfolgen. Eine solche wäre städtebaulich rückwärtsgewandt, stadtklimatisch schädlich und brächte eine zu starke infrastrukturelle Belastung des Umfeldes. Auch würde sie zu einer starken Entwertung der bestehenden Grün- und Erholungsanalagen an der Schwedter Str. (Kinderbauernhof, Spielplatz, Kletterfelsen) führen.

BA-Mitte Beschluss (PDF 20kB)

von Rainer Krüger
Kommentare sind derzeit nicht möglich

Fertigstellung: Konsens auf den Kopf gestellt

Donnerstag, 14. Juni 2012 um 13:02

In der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte droht ein Beschluss (SPD und CDU) zur massiven Bebauung im Norden!

Die Mauerparkerweiterung schien zum Greifen nahe. Denn als im April die BVV Mitte und danach auch die BVV Pankow einen breit getragenen Beschluss zur Mauerparkerweiterung beschlossen hatten, schien der Weg geebnet: Im Süden kann eine große Grünfläche ohne Bebauung entwickelt werden, parkverträgliches Gewerbe wie Flohmarkt und Gastronomie bleiben erhalten. Der Preis dafür würde eine sozial verträgliche Wohnbebauung im Norden sein, die nur so groß sein darf, dass Kaltluftschneise, das “Grüne Band” und historische Elemente ihren Platz behalten.

Der Dringlichkeitsantrag der SPD Fraktion Mitte kündigt diesen Konsens auf. Denn nun würde der CA Immo eine völlig überzogene Flächenentwicklung für ein Wohnquartier mit 600 Einheiten und 58.000 m² Bruttogeschossfläche zugestanden. Ein solcher “Klotz” an Bebauung (Originalton Dr. Streb von der CDU Mitte) wäre das Ende einer städtebaulich und ökologisch akzeptablen Gestaltung nördlich des Gleimtunnels. Gleichzeitig würde der bisher erfolgreiche Widerstand der Bürgerwerkstatt und der Freunde des Mauerparks gegen eine so eine unverhältnißmäßige Bebauung auf den Kopf gestellt.

Welchen Sinn macht dann überhaupt noch eine bisher politisch gewollte Bürgerbeteiligung?

Es muss mit aller Kraft verhindert werden, dass durch CDU und SPD ein solcher Beschluss Wirklichkeit wird!

Stellungnahme der Bürgerwerkstatt (PDF 200kB)

In der Presse:
Tagesspiegel: Mauerpark wird eingemauert (15.06.2012)
Berliner Zeitung: Kompromiss zum Mauerpark geplatzt (14.06.2012)
Neues Deutschland: Scharfe Kritik an Mauerpark-Deal (15.06.2012)
Berliner-Kurier: Mehr Häuser für den Mauerpark (15.06.2012)
Pankower Allgemeine Zeitung: Mauerpark-Drama (14.06.2012)

 

von Rainer Krüger
Kommentare sind derzeit nicht möglich

Der Durchbruch zur Mauerpark-Fertigstellung

Donnerstag, 26. April 2012 um 15:00

BVV Mitte und Pankow im Schulterschluss

Wie schon am 19. April in der BVV Mitte hat jetzt am 25. April auch das Bezirksparlament von Pankow mit breiter Mehrheit für die Aufnahme eines neuen Bebauungsplanverfahrens votiert. Zu einleuchtend war die Aussicht, nach fast zwanzig Jahren Streit um eine Erweiterung des Mauerparks endlich eine Lösung mit breiter Zustimmung gefunden zu haben.

Auch die Senatsverwaltung ist aktiv geworden

Der Staatssekretär für Stadtentwicklung, Christian Gaebler, verkündet heute in der Berliner Zeitung eine Sensation: „Wir werden den Mauerpark um fünf Hektar Fläche erweitern“ und südlich des Gleimtunnels von jeglicher Bebauung freihalten. Zusätzlich sollen die Gaststätte Mauersegler und der Flohmarkt erhalten bleiben

Was für ein Erfolg für alle, die sich seit vielen Jahren für die Fertigstellung des Mauerpark und den Erhalt der lebendigen Mauerpark-Kultur eingesetzt haben. Mit dem neuen Engagement des Senats ist nun der Weg zur Fertigstellung des Mauerparks endgültig frei geworden.

Nördlich des Gleimtunnels sollte die Senatsverwaltung das Ziel nicht aus den Augen verlieren: nur eine moderate Wohnbebauung mit hohem sozialem und ökologischem Anspruch – so hatten es die Bezirks Mitte und Pankow in ihren Beschlüssen gefordert.

Die Fertigstellung des Mauerparks wird nun konkret: Noch in diesem Jahr können Bürgerinnen und Bürger den großen Mauerpark bis zum Wedding in Besitz nehmen und Schritt für Schritt gestalten.

von Rainer Krüger
Kommentare sind derzeit nicht möglich