Cooling Point im Mauerpark: Ein Pilotprojekt 

von | 20.06.2026 | Aktuelles, Kommentar

Am 11. Juni 2026 wurde im südlichen Mauerpark nahe der Bernauer Straße der „Cooling Point“ eröffnet. Es ist bereits das zweite Jahr des Pilotprojekts: Den öffentlichen Trinkwasserbrunnen gab es schon im Vorjahr, in diesem Jahr ist die Wassersäule dazugekommen.

Auf rund 25 Quadratmetern bündelt die frei zugängliche, barrierearme Anlage Schatten, Sitzgelegenheiten, Begrünung und Trinkwasser. Sie soll an heißen Tagen einen niedrigschwelligen Rückzugsort schaffen – für alle, besonders aber für ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich belastete Personen.

Auf Knopfdruck versprüht die “Wassersäule” einen feinen Sprühregen, der an heißen Tagen für angenehme Abkühlung sorgt und vor allem bei Kindern und Jugendlichen ein echter Hit ist.

Als Verein der Freunde des Mauerparks haben wir uns die Anlage angesehen und mit den Projektbeteiligten gesprochen. Unser Fazit: ein engagierter Versuch mit echtem Lernwert, aber auch mit deutlichen Schwächen, über die wir reden sollten.

Ausdrücklich ein Pilotprojekt

Im Gespräch haben die Projektbegleiterinnen den reinen Pilotcharakter betont, und das verdient Anerkennung. Schon einen geeigneten Standort zu finden, war schwierig. Viel von dem, was hier erprobt wurde, ist für die Nutzer*innen nicht greifbar, betrifft vor allem die behördlichen Herausforderungen: Wasseranschlüsse und Leitungen legen, Sicherheitsvorschriften einhalten, Genehmigungen einholen. Genau diese Erfahrungen sind der eigentliche Mehrwert – sie zeigen der Verwaltung, woran solche Maßnahmen in der Praxis hängen.

Bewusst wurde außerdem eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in die Umsetzung eingebunden. Auch für die Werkstatt war es Neuland. Das erklärt einen Teil der hohen Kosten – und ist ein sozialpolitisch sinnvoller Aspekt, der in der öffentlichen Debatte über die Kosten bislang zu kurz kommt.

Wofür der Cooling Point gut ist

Für das Projekt spricht die soziale Grundidee: Kühlung, Wasser und Aufenthalt gibt es kostenlos, ohne Konsumzwang. Der Standort ist bewusst öffentlich gewählt; Hitzeschutz wird damit sichtbar im Stadtraum erprobt und wird nicht nur in wenigen öffentlichen Gebäuden geplant. Als Testfeld liefert die Anlage der Stadtplanung verwertbare Hinweise darauf, welche kleinen, modularen Maßnahmen bei Sommerhitze im Öffentlichen Raum tragen können.

Wo wir kritisch bleiben

So nachvollziehbar das Ziel ist – als Beitrag zur Klimaresilienz einer Metropole taugt dieser Cooling Point aus unserer Sicht nicht. Hitzeschutz entsteht in unseren Augen durch mehr Bäume, Entsiegelung und Fassadenbegrünung, also durch Schatten und Kühlung, die von oben und aus dem Stadtkörper selbst kommen. Genau das fehlt hier: Die Beschattung von oben ist nicht ausreichend, viele Besucher*innen nutzen lieber die gewachsenen Baumflächen wenige Meter weiter.

Hinzu kommt ein Detail, das viel über die Grenzen solcher Mikro-Lösungen verrät: Die Blumenkästen müssen täglich gegossen werden. Eine Begrünung, die ohne ständige manuelle Bewässerung vertrocknet, ist das Gegenteil einer robusten, klimaangepassten Pflanzung.

Und schließlich die Kostenfrage. In Berichten kursieren rund 45.000 Euro. Ein Teil davon erklärt sich durch die Werkstatt-Einbindung – aber gerade deshalb ist die Übertragbarkeit fraglich: Was als einmaliger, teurer Pilot vertretbar ist, lässt sich so nicht im großen Maßstab über die Stadt verteilen.

Zur Einordnung eine kleine Kostenbilanz: Die Pflanzung eines Straßenbaums kostet in Berlin laut Senat derzeit rund 3.000 Euro – inklusive der dreijährigen Entwicklungspflege, die ein junger Baum braucht. Für die rund 45.000 Euro des Cooling Points hätten sich also etwa 15 neue Stadtbäume pflanzen und über die kritischen ersten Jahre pflegen lassen. Fünfzehn Bäume spenden über Jahrzehnte Schatten von oben, kühlen die Umgebung messbar, binden Wasser und Staub – und das ohne tägliche Handbewässerung. Diese Rechnung macht den Pilotcharakter des Cooling Points nicht wertlos, sie zeigt aber, wo der größere Hebel für echte Hitzevorsorge liegt.

Unser Fazit

Der Cooling Point ist ein lehrreicher Versuch, Hitzeanpassung praktisch und öffentlich sichtbar zu machen. Sein Wert liegt vor allem im Erfahrungsgewinn für die Verwaltung und in der offenen Einbindung der Stadtgesellschaft – weniger in der konkreten Kühlwirkung.

Für den Mauerpark gilt weiterhin, was für die ganze Stadt gilt: Temporäre Mikro-Lösungen können zwar punktuell helfen, ersetzen aber keine echte Anpassung an die Hitze. Den größten Unterschied machen drei Dinge, für die wir uns als Freunde des Mauerparks weiter einsetzen.

  1. Die Entsiegelung: Wo Asphalt und Beton aufgebrochen und durch offene, bepflanzte Flächen ersetzt werden, kann Regenwasser versickern, der Boden speichert Feuchtigkeit und heizt sich im Sommer deutlich weniger auf.
  2. Eine bessere Pflege des vorhandenen Baumbestands – konsequentes Wässern junger und gestresster Bäume in Trockenphasen, fachgerechter Schnitt und gesunde Wurzelräume, damit Bäume das heiße Stadtklima überhaupt überstehen.
  3. Konsequente Nachpflanzungen von Stadtbäumen, an Straßen wie in Grünflächen, damit gefällte und abgestorbene Bäume nicht einfach wegfallen, sondern ersetzt werden und das Kronendach wächst statt schrumpft.

Diese Maßnahmen sind weniger spektakulär als eine neue Anlage zum Durchschneiden eines Eröffnungsbands – aber sie sind es, die den Mauerpark und unsere Stadt dauerhaft kühler, grüner und lebenswerter machen.

 

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